Saisonstart der Chromjuwelen: RT 24 meets Holsteinische Schweiz

Am 09. Mai 2026 war es endlich soweit, der Startschuss für unsere erste Fahrt war gefallen. Wobei „ERSTE Fahrt“ doch sehr missverständlich klingt, denn all` unsere Oldtimer sind mindestens 37 bis 55 Jahre alt und kommen gerade aus dem „Winterschlaf“, denn uns als Halter eint natürlich ein tiefes Gefühl der Fürsorge für unsere betagten Preziosen.

Und ich, der ich meinen 107er MB Roadster als 280 SL seit nunmehr 40 Jahren fahre und pflege, bin mittlerweile auch zum „Oldtimer“ mutiert und leider über die Jahre in meinen Bewegungen einer gewissen Grazie beim Ein- und Aussteigen verlustig gegangen. Aber bekanntlich gehen ja „Happy“ und „Birthday“ ab „70“ getrennte Wege: Spaß beiseite, Ernst komm` her!

Jedem Mitglied im RT 24 ist durch unsere bisherigen sehr schönen Ausfahrten und gemeinsamen Erlebnisse klar geworden, dass auch unsere regionalen Ziele sehr viel Attraktives und Sehenswertes zu bieten haben.

Aber nicht nur diese einzigartige Verbindung aus Wasserreichtum (ca. 200 Seen) und historischem Charme machte die „Holsteinische Schweiz“ in diesem Jahr zum Ziel für unsere „Saison-Eröffnung“!

Darüber hinaus ist unser MB-SL-107 mittlerweile ein echter Sympathieträger geworden, denn wenn man mit diesem SL über die Straßen der Kreise Plön und Ostholstein gleitet, zücken Passanten oftmals das Handy, um Fotos zu machen. Mit einem Porsche oder Ferrari erzeugt man eher schon mal etwas neidische Blicke, mit unserem historischen Fahrzeug in der Regel Sympathien und man zaubert den Leuten ein Lächeln ins Gesicht.

Die gemeinsame „Saison-Eröffnung-Fahrt“ begann am Treffpunkt in Molfsee und in direkter Nähe der Reetdachkaten des Freilichtmuseums. Pünktlich fanden sich 19 Fahrzeuge mit Fahrern/Beifahrern ein.

Mit ihren glänzenden Lacken, auf Hochglanz polierten Chromleisten, Stoßstangen und blitzblanken Scheiben strahlten unsere STERNE wieder einmal die gewohnte Eleganz und auch Geschichte aus – und ich denke, sie waren somit vielleicht wieder einmal und gewissermaßen automatisch zu ehrenamtlichen Markenbotschaftern der Firma Mercedes-Benz geworden …

Dann kam endlich der Moment, auf den alle gewartet hatten: Die Zündschlüssel wurden gedreht und 19-mal erwachte deutsche Ingenieurskunst zum Leben. Mit der Disziplin einer Entenfamilie, nur deutlich schneller und mit wesentlich mehr Hubraum setzte sich die Kolonne in Bewegung.

Kurs Nord-Ost: Von Molfsee Richtung Küste und Probstei

Die Route führte uns auf malerischen Nebenstraßen über Schwentinental in Richtung Laboe. Anschließend ging es durch einige Dörfer der Probstei und dann genau dem Ufer des Selenter Sees entlang nach Selent. Mit seinen fast 22 Hektar ist der See der zweitgrößte See des Landes – Der Plöner See mag mit 30 Hektar größer sein, aber an diesem Tag hatte der Selenter See definitiv die besseren An- und Aussichten.

Besonders idyllisch wurde es in Bellin. Reetdachkaten direkt am Selenter See, blühende Gärten und zwischendrin wir – als wäre eine Werbebroschüre für das „gehobene Lebensgefühl der 80er Jahre“ zum Leben erwacht. Die Ausblicke auf den See waren fantastisch, auch wenn einige Fahrer den Blick lieber auf der Öldruckanzeige ließen (nur zur Sicherheit, man weiß ja nie).

Zieleinfahrt in die Holsteinischen Schweiz

Das schöne Wetter erlaubte es uns, mit geöffneten Cabrio-Dächern und vorbei an den zahlreichen und für Schleswig-Holstein charakteristischen Rapsfeldern, die links und rechts die Straßen säumten, zu beginnen. Nicht nur mit den Augen konnten wir den gelben Raps, sondern dank unserer Cabrios auch dessen wunderbar würzigen Duft sowie den Fahrtwind im (restlichen) Haar genießen.

Nach so viel Auto fahren durfte eine Stärkung nicht fehlen und so rollten wir in entspanntem Tempo zum Restaurant „Bootshaus am Dieksee“ in Bad Malente-Gremsmühlen. Diese Ortschaft liegt zwischen dem Diek- und Kellersee.

Hier fanden wir Gelegenheit, um uns über die vielfältigen Eindrücke der faszinierenden Landschaft sowie des von der Holsteinischen Schweiz ausgehenden Fluidums auszutauschen.

Natürlich kam auch der ewige Club-Klassiker zur Sprache. Hier waren sich alle einig: Schöner als elektrisches Surren empfinden wir alle das zufriedene Schnurren der Sechszylinder oder das stolze Brummen der Achtzylinder.

Es war einfach schöner als Autos noch nach Benzin rochen und nicht Bits und Bytes eine derart wichtige Rolle wie heutzutage in den neuen Fahrzeugen spielen …

Die zweite und gleichzeitig Schluss-Etappe

Nachdem wir uns gestärkt hatten, nahmen wir die zweite Etappe unserer Ausfahrt in Angriff. Sie führte uns ebenfalls bei bestem Wetter und schönen Nebenstrecken durch Ortschaften wie Sielbeck am Kellersee gelegen, Benz, Nüchel etc. im Kreis Ostholstein. Anschließend fuhren wir über Bösdorf nach Dersau am Plöner See.

Und wenn eine Kolonne glänzender Mercedes SL 107 in Reih und Glied durch die norddeutsche Landschaft rollt, dann hat das was von einer automobilen Operette: viel Eleganz, etwas Drama – und jede Menge gute Laune. So geschehen bei dieser ersten gemeinsamen Ausfahrt des RT 24, die uns – von der Sonne begleitet und vom Navi gelegentlich herausgefordert hat. Am Ende jedoch erreichten wir alle zufrieden den „Hof Viehbrook“ in Rendswühren, nahe Neumünster. Bei Kaffee, Kuchen und immer noch gutem Wetter fanden wir hier Gelegenheit, die heutige Saison-Eröffnungs-Fahrt noch einmal Revue passieren zu lassen und quasi gedanklich im Rückspiegel zu betrachten:

Fazit:

Die Ausfahrt in die „Holsteinische Schweiz“ war ein voller Erfolg. Wir alle, die teilnehmenden Mitglieder des RT 24 und somit natürlich auch allesamt Bewohner des gemeinsamen „Planeten SL R107“, genossen wieder einmal einen Tag voller Wärme und Herzlichkeit, der uns daran erinnert, dass das Leben in unserem „107er-Club“ von Freundschaft und Gemeinschaft geprägt ist.

Einziger Wermutstropfen: Alle Teilnehmer fuhren auf dieser Saisoneröffnungsfahrt mit einem Trauerflor am Fahrzeug, denn unsere stets engagierte Club- Freundin Sylvia hat uns vor Kurzem für immer verlassen.

Oscar Fuchs – RT 24