Der Mai ist gekommen…, also Zeit, unsere schönen Autos wieder zur Geltung kommen zu lassen und zu bewegen.

Beate und Ullrich hatten schon im Januar anlässlich der Eröffnungsfahrt zur Privatburg Iserhatsche in der Heide geladen und mussten dann die bereits bis ins Detail organisierte Route ändern, da der Eigentümer verstorben ist.

Aber sie haben eine wunderbare Alternative in der Region Südheide gefunden.

Treffpunkt war der IKEA-Parkplatz in Großburgwedel. 13 Fahrzeuge trudelten ab 9 Uhr ein, sodass die Fahrt pünktlich um 9.30 Uhr starten konnte. Unser Ziel: das Luftbrückenmuseum in Faßberg.

Dank des wunderbar ausgearbeiteten Roadbooks mit Blitzer-Angaben (Stimmen der Beteiligten, denn als Einzelfahrerin darf ich immer die zweite Position einnehmen) schlängelten wir uns auf schönen Landstraßen durch idyllische Dörfer, durch alte Alleen und durch bewaldete Stücke in frischem Maigrün. Rhododendren in allen Farben und Größen sowie Flieder erfreuten mein Auge bei der abwechslungsreichen Fahrt, und gemeinsam erreichten wir unser Ziel.

In zwei Gruppen erhielten wir ausführliche Informationen über die Zeit von Juni 1948 bis Mai 1949. In diesem Zeitraum sicherte die Luftbrücke das Überleben der 2 Millionen Westberliner, die durch die Blockade der sowjetischen Besatzung Engpässe bei Kohle, welche für Strom sorgte, bei Lebensmitteln und bei Medikamenten hatten.

Schon in der Einladung schrieb Ullrich:

„Diese und andere Produkte wurden damals von den West-Alliierten Tag für Tag von sechs Flugplätzen in Westdeutschland, darunter Faßberg, per Flugzeug nach Berlin transportiert und haben so das Überleben gesichert. Die gigantische Hilfsaktion erreichte im April 1949 einen Rekord mit 1.400 Flügen in 24 Stunden und mit 12.000 Tonnen Hilfsgütern.

Ein unfassbares Zusammenwirken der U.S. Air Force und der Royal Air Force mit den Arbeitern der German Civil Labour Organisation (die für die Verladung der Kohle verantwortlich war) und der Bevölkerung. Knapp einen Monat danach hat die Sowjetunion ihre Blockade aufgeben müssen.“

Das Luftbrückenmuseum bewahrt die Geschichte und den „Spirit of the Airlift“. Hiermit wird Sorge getragen, dass Opfer, die Gesamtleistung, der Mut und der Einsatz der damals handelnden Personen nicht vergessen wird. Eine beispiellose Aktion, die uns hier in Wort und Bild nahegebracht wurde und die mich als Nachkriegskind sehr beeindruckt, erschüttert und nachdenklich gemacht hat. Danke für diese Besichtigung.

Nun war es Zeit für eine Stärkung. Im Landhaus Müden wurde uns in der Tischlerei ein frischer gemischter Salat serviert, und dann konnten wir uns am Buffet mit „Schnitzel satt“ ergötzen. Eine Pilzsoße sowie eine hervorragende, selbstgemachte Paprikasauce, dazu leckere Bratkartoffeln und Pommes waren ein Genuss. Eine kleine Zitronencreme bildete den Abschluss.

Die zweite Etappe führte uns erneut durch die erfrischende Natur der Südheide, durch Wald und Feld zum Hundertwasser-Bahnhof in Uelzen. Auch das Wetter spielte mit: blauer Himmel, kein Regen, angenehme Temperatur.

Herr Nowak erwartete uns, um uns die Entstehungsgeschichte zu erzählen, denn er war „live“ bei der Umsetzung dabei.

Das Gebäude war 1888 im Wilhelminischen Stil vom Architekten Hubert Stier erbaut worden, 1945 wurde es bei einem Bombenangriff stark beschädigt, und durch anschließende An- und Umbauten verlor es vieles von seiner ursprünglichen Form, was dazu führte, dass in den 1990er Jahren an einem Konzept für die Restrukturierung gearbeitet wurde. Hannover hatte den Zuschlag zur EXPO 2000 bekommen, und es entstand die Idee, einen „Umweltbahnhof“ und „Kulturbahnhof“ zu schaffen. Es wurde eigens ein Verein gegründet, denn es mussten verschiedene Belange zusammengebracht werden. Glückliche Umstände bei den Beziehungen stellten den Kontakt zum Wiener Künstler Friedensreich Hundertwasser her, der Zeichnungen, Pläne und ein Konzept erstellte. Die Ausführung oblag Architekten, Keramikherstellern und ausführenden Handwerkern.

Diverse anvisierte Besuche Hundertwassers kamen nicht zustande. Er hat „sein Werk“ nie gesehen, denn er starb vor der Einweihung. Bunte Kacheln, runde Türmchen, goldene Kugeln und Unkraut als „Spontan-Vegetation“ haben eine Daseinsberechtigung. Hundertwassers Anliegen war eine menschen- und naturgerechte Bauweise. Dieses architektonische Kunstwerk steht unter Denkmalschutz und war ein Highlight unserer Saisoneröffnungsfahrt.

Danke, liebe Beate, lieber Ullrich, für die Organisation dieses interessanten, informativen, lehrreichen und wunderschönen Tages.

Monika