Wie immer erschien in der 107 Klassik im vierten Quartal des Vorjahres die Einladung für das kommende Jahrestreffen. Vierundzwanzig Seiten und ein Extrablatt mit einem Zeitstrahl der Veranstaltungen und mit den Kombinationsmöglichkeiten am Freitag.
Beim Anblick herrschte eine totale Ratlosigkeit meinerseits. Erst einmal beiseite gelegt für eine ruhige Minute. Andererseits das Wissen, dass manche Angebote im Nu belegt sind. Also hinsetzen und Absprache mit anderen Teilnehmenden, denn als Einzelfahrerin muss ich mich jemandem für die Ausfahrt anschließen. Und dann die nächste Herausforderung, alles über das Internet. Nun gut, man wächst mit seinen Aufgaben. Am Ende gab es diverse Mails mit QR-Codes, ich habe meinen Betrag überwiesen und konnte das Heft erst einmal beiseite legen.
Tja, und dann war es Juni. Ich traf mich mit Lars und Wolfgang sowie Ingrid und Rainer auf dem Parkplatz in Garbsen, und von beiden eskortiert fuhren wir nach Köln. Außer drei Regenschauern verlief die Fahrt ohne Stau und ohne Probleme, so dass wir entspannt ankamen.
Im Maritim Hotel direkt am Rhein checkten wir ein, und wir nahmen unser Säckchen mit den Unterlagen in Empfang. Schon gab es hier ein Hallo, dort eine Umarmung, einen kurzen Klönschnack mit dem ersten Kölsch und viel freundliches Kopfnicken.

Ab 17 Uhr trafen wir uns beim Meet and Greet zum Einstimmen mit kurzer Ansprache und Begrüßungsdrink bei leichter Musik.
Der Abend stand zur freien Verfügung. Wir hatten uns zum „Exklusiven Orgelkonzert im Dom“ angemeldet. Nach dem Abendessen im Hotel ging es gemeinsam zu Fuß zum Dom. Dort empfing uns ein sehr sympathischer Organist (Prof. Dr. Winfried Bönig, seit 2001 Dom-Organist), der als Kind schon wusste, dass er dieses Instrument beherrschen wollte. Als Dreizehnjähriger hatte er seinen ersten Orgelunterricht in seiner Heimatstadt Bamberg bekommen. Er wurde an der Münchner Musikhochschule aufgenommen, wo er das Meisterklassendiplom mit Auszeichnung ablegte. Danach studierte er in Augsburg Musikwissenschaft, Geschichte und Musikerziehung. In Memmingen spielte Bönig einen Zyklus der gesamten Orgelwerke Bachs in fünfzehn Konzerten. Dafür wurde ihm der Kulturpreis der Stadt verliehen. Konzerteinladungen führen ihn Jahr für Jahr in alle Welt, unter anderem nach China, Russland und Spanien. Er ist Interpret zahlreicher Uraufführungen, die ihm Komponisten zutrugen. Seine erste CD mit Orgelwerken von Dieterich Buxtehude wurde von den europäischen und von den amerikanischen Musikkritikern begeistert gefeiert. Große Beachtung fanden die Einspielungen der Orgeln im Kölner Dom. Und diese Freude und Begeisterung zeigte er uns an den zwei zurzeit im Dom befindlichen Orgeln. Eine dritte Orgel ist in Arbeit, auch diese konnten wir in Augenschein nehmen. Die Orgelanlage im Kölner Dom gehört mit 143 Registern zu den größten Orgeln Deutschlands. Die Querhausorgel auf der Empore stammt von 1948, wurde aber im Laufe der Zeit mehrmals erweitert. Die Langhausorgel wurde 1998 als zweite Hauptorgel geweiht. Die zwanzig Meter hohe Schwalbennestorgel hängt an vier dicken Stahlstangen zwanzig Meter über dem Fußboden, ohne die Wand zu berühren. Sie hat 53 Register, ungefähr 4.000 Pfeifen. Professor Bönig ließ eindrucksvoll zuerst jede Orgel alleine erklingen, damit wir die Unterschiede hören konnten, erst dann spielte er beide Orgeln zusammen. Dieses Zusammenspiel, vom zentralen Spieltisch der Querhausorgel aus, war ein einmaliges Erlebnis, das durch „Mark und Bein“ ging. Der ganze Körper vibrierte und erzeugte Gänsehaut. Das allein war schon die Reise wert. Die erwähnte dritte Orgel hat 18 Register und ist eine moderne, von einem Architektenbüro entworfene Konstruktion. Sie kann bewegt werden, und auch der Orgeltisch ist frei fahrbar. Zudem ist sie so angelegt, dass auch die beiden großen Orgeln und das Tubenwerk von diesem Spieltisch aus angesteuert werden können. Ja, ein einmaliges, unvergessenes Erlebnis.
Der Freitag begann entspannt. Ich hatte aus den umfangreichen Vorschlägen die „Große Hafenrundfahrt“ gewählt, als Ziel fünf Häfen, die jeweils einen spezifischen Schwerpunkt haben. Sie bilden zusammen nach dem Hafen in Duisburg den zweitgrößten Binnenhafen Deutschlands und dienen ausschließlich dem Güterumschlag. Bei Ausgrabungen fand man in 13 Metern Tiefe ein römisches Hafentor und weitere Reste aus der Zeit um 150 n. Chr., wodurch belegt ist, dass die Kölner Häfen die ältesten des Rheins sind und aus der Römerzeit stammen. Durch die Dampfschifffahrt ergab sich eine starke Veränderung der Bedeutung, und so wurde ab 1831 der Rhein international zur verkehrsreichsten Wasserstraße Europas. Im Jahr 1898 entstand der neue Rheinauhafen, die technisch modernste Hafeneinrichtung Deutschlands, mit Gleisanlagen, die sich über 18 Kilometern Länge erstrecken und mit 96 Weichen. Parallel baute man Werftanlagen für die 350 Meter lange Trankgassenwerft und schloss diese an das Eisenbahnnetz an. Der Hafen Niehl I ist die zentrale Logistikdrehscheibe mit Containerterminals und 14 Krananlagen. Zugleich ist er der Wartungshafen für die Personenschiffe. Der „Katzenbuckel“, die Fußgängerbrücke als Verbindung des Rheinufers mit der Innenstadt, ist nach einem Schiffsanprall wieder freigegeben worden. Der Hafen Niehl II übernimmt den Umschlag von Öl, Gas und Chemikalien. Die Schiffe haben dafür bestimmte Kennzeichnungen. Der Mülheimer Hafen ist Anlaufstelle für Gefahrguttransportschiffe und dient in Zukunft als Nachtliege- und Reparaturhafen für Fracht- und Passagierschiffe. Er gehört der Bundesrepublik Deutschland. Der Deutzer Hafen schlug Getreide von der benachbarten ehemaligen Kampffmeyer-Mühle sowie Futtermittel, flüssige Kreide und Schrott um. Der Hafen Godorf, ursprünglich Umschlaganlage für Braunkohle, ist Raffinerie-Standort für Shell mit besonderen Vorrichtungen wie Flüssiggutlöschanlagen und seit der Nachkriegszeit für die Gewinnung und den Transport von chemischen Flüssigkeiten, Erdöl, Mineralölerzeugnissen und Gasen zuständig. Ja, wer hätte das gedacht, für mich ganz neue Fakten über Köln.
Der Blick vom Wasser auf die Skyline von Köln ist ein ganz besonderer. Der Kölner Dom war aus verschiedenen Perspektiven zu sehen. Es ging vorbei am Schokoladenmuseum, unter der Hohenzollernbrücke und der Seilbahn entlang, wir sahen die Basilika St. Kunibert und andere Kirchen, Kranhäuser, restaurierte Lagerhäuser, die RTL Zentrale und vieles mehr. Alles hatte besonderen Flair. Und unser Guide hat das alles mit viel Charme und Witz erzählt, sodass die Fahrt wie im Flug verging und ich keine Minute bereut habe.
Am Nachmittag ging es für mich noch einmal in den Dom zur Führung des Innenraums mit Schatzkammer. Diese gab Einblicke in die beeindruckende Architektur, die Kunst und die Geschichte: Fenstern mit Jahrhunderte alter Glasmalerei sowie dem 2007 feierlich enthüllten „Richter-Fenster“, Bodenmosaiken der Firma Villeroy & Boch mit Ursprung im Jahr 1748 sowie dem goldenen Dreikönigsschrein. Im historischen Kellergewölbe des 13. Jahrhunderts befindet sich der Domschatz mit kostbaren Reliquien, liturgischem Gerät, das auch heute noch ausgeliehen werden kann. Wertvolle aus Silberfäden gewebte und bestickte Gewänder und Bischofsringe und Stäbe der Domgeistlichen, zum Beispiel von Joachim Kardinal Meisner.
Der Tag wurde dann im traditionellen „Brauhaus FRÜH am Dom“ mit deftiger Kost und süffigem Kölsch beendet.

Der Samstag war der Tag der Ausfahrten. Dazu hatte ich mich mit Lars und Rainer abgesprochen.
Wir entschieden uns für die Fahrt S07, „Rund um die Kohle – Das Rheinische Braunkohlerevier“, denn die Politik hat die Schließung des Braunkohleabbaus bis 2030 beschlossen. Obwohl sich mir Stefan Parpart als Beifahrer anschloss, durfte ich wieder die Fahrt im doppelten Sinn als „begleitetes Fahren“ genießen. Über die Severinsbrücke führte uns die Strecke Richtung Grevenbroich, durch Pulheim auf schönen Straßen zum Schloss Paffendorf, einem wunderschönen Wasserschloss aus dem 16. Jahrhundert in der Erftniederung. Im 19. Jahrhundert erhielt das Schloss durch einen grundlegenden Umbau sein neugotisches Aussehen mit Balkonen und figürlichem Schmuck. Der 7,5 Hektar große Schlosspark punktet mit alten Mammutbäumen, Gingkos und Riesenlebensbäumen, unser Treffpunkt für die anschließende Bustour durch eines der größten Braunkohlereviere, dem Tagebau Garzweiler.
Zuerst gab es im RWE Info-Center eine Einführung in das Rheinische Revier, Details über die Energiegewinnung, die Historie und die Vorgehensweise. Dann fuhren wir in den Tagebau, vorbei an den Förderbandstrecken, welche die Kohle direkt in die Kraftwerke transportieren und die besprüht werden, damit kein Staub in der Luft verbreitet wird. Von einem Aussichtspunkt aus konnten wir die riesigen Ausmaße des Tagebaus überblicken, welcher wie eine Mondlandschaft vor uns lag. Wir bestaunten riesige Schaufelradbagger (240.000 Kubikmeter Tagesleistung mit 18 Schaufeln, so hoch wie ein siebenstöckiges Haus und mehr als 4.500 PS), die die Kohle aus der Erde fördern und an die Bandstrecke übergeben. Dann gibt es noch die „Absetzer“, die nach dem Abbau der ausgekohlten Verkippungsseite den Boden wieder aufbauen zur weiteren Rekultivierung. Auch diese durchfuhren wir. Es entstanden neue Felder und Wälder. Die geplante Flutung des Garzweiler Sees wird voraussichtlich zehn Jahre dauern. Ja, diese beeindruckende Fahrt war vielleicht die letzte Möglichkeit, solch eine Erfahrung zu machen. Zurück ging es zum Schloss Paffendorf und dann nach Köln ins Maritim Hotel.
Um 18 Uhr wurden wir zum Sektempfang im Foyer gebeten, und anschließend stand der Gala-Abend mit einem Drei-Gänge-Menü auf dem Programm. Sowohl im Foyer also auch im großen Saal wurde der Abend mit Musik begleitet, und eine Moderatorin führte durch das Programm. Nach der vorzüglichen Vorspeise hielt, wie kann es in Köln anders sein, die „Tanzgruppe Kölsche Greesberger“ Einzug und erfreute uns mit ihren tänzerischen, artistischen und stimmungsvollen Darbietungen. So bekamen wir einen Live-Eindruck, denn in unserem Saal finden auch Karnevals-Sitzungen statt. Es folgte der Hauptgang, sehr lecker. Und dann gab es Ehrungen, sowohl für Stefan Parpart für seine langjährige Arbeit, die Lastschrifteinzüge vorzunehmen, als auch für „unseren Lars“ für sein 30-jähriges Club-Engagement insbesondere als unser langjähriger RT-Leiter. Eine Urkunde, die sehr allgemein gehalten ist, eine (ebenfalls neutrale) Nadel und Kleinigkeiten. Wir haben uns jedenfalls gefreut. Zwischendurch wurden Preise der Tombola gezogen, nach dem Nachtisch begannen die Hauptziehungen. Und was soll ich sagen, zu Gewinnern von je einer Dokumententasche gehörte Familie Jennert sowie Heinz Brümmer. Ja, ein gelungener Abend, an dem anschließend das Tanzbein geschwungen werden konnte. Ich ging zum Matratzenball.
Der Sonntag ist wie immer der Jahreshauptversammlung vorbehalten, und nach deren Ende fuhr ich im Schlepptau von Lars und Wolfgang wohlbehalten nach Hannover zurück.
Fazit: Für mich wieder ein rundum gelungenes Jahrestreffen, mit vielen neuen Eindrücken, Informationen und Ansichten, die ich vorher von Köln nicht kannte. In meinen Augen erweitern Jahrestreffen immer wieder den Horizont und liefern viele schöne Momente, die in Erinnerung bleiben.
Danke dem Kölner Team. Ich freue mich schon auf das Jahrestreffen 2027 in Travemünde.
Monika
























































































