Der Harz ist immer eine Reise wert…

Bereits am 21. Dezember 2025 hatte Roland die Einladung zu unserer Sommerausfahrt mit einem ersten Einblick in das bevorstehende Programm verschickt. Gleich im Januar meldete ich mich an, denn als Einzelperson wollte ich mir ein Zimmer sichern.

Im Juni erhielten wir schon den detaillierten Programmablauf mit allen Uhrzeiten, sodass die Vorfreude stieg. Kurz danach bekamen wir sogar schon die Speisekarten für unsere Essenswünsche und am Anfang der Woche ein „Bilderbuch“ des gesamten Programms. Was für eine Arbeit hat sich Roland da für uns gemacht! Tausend Dank dafür.

Ja, und nun war es soweit, am Freitag, den 7. August pünktlich um 8 Uhr starteten wir mit acht Autos am ADAC-Parkplatz, um 150 km durch bizarre Orte (Hotteln, Oedelum, Bettrum), herrliche Alleen, Felder, über schöne Landstraßen und überhaupt bei toller Streckenführung zu unserem ersten Ziel zu gelangen, dem Weltkulturerbe Erzbergwerk Rammelsberg. Um 10.30 Uhr war eine Führung mit Grubeneinfahrt „unter Tage“ gebucht. Hier stießen auch unsere anderen Clubmitglieder mit weiteren acht Fahrzeugen zu uns. Nun waren wir mit sechzehn Autos beinahe komplett, nur Lars und Wolfgang fehlten noch und stießen erst am Abend im Hotel hinzu, da ihr 107er streikte.

Nachdem wir alle mit einem gelben Sicherheitshelm ausgestattet waren, erklärte uns mein Namensvetter „Jörg Otto“ die Mannschaftskaue und den „Erzbrocken“ von Christoph Wilmsen-Wiegmann, der zur EXPO 2000 aufgestellt wurde und das Thema „Mensch (Abdruck der Hand) – Natur (eine Seite des unbearbeiteten Steins) – Technik (glatte bearbeitete Fläche, die das Erz hervorhebt) darstellt. In Goslar verteilt gibt es mehrere dieser Erzbrocken. Dann ging es mit der engen, gelben Grubenbahn in den Berg, und wir verfolgten den Tagesablauf eines Bergmanns in den 1950er und 1960er Jahren sowie die technische Entwicklung des Bohrhammers und der Loren. Es wurde gebohrt, gesprengt und schließlich das Erzgestein in Förderwagen geladen. Eine Bilderserie im Infocenter erklärt den Weg vom geförderten Gestein bis zum Auslösen der einzelnen Erze.

Ich besuchte noch die Ausstellung „Gezeichnete Vergangenheit“, Bilder des Bergbaus von Hermann Kißling. Er war selbst Bergmann, und in seinen eindrucksvollen Zeichnungen und Gemälden wird die harte, aber stolze Welt der Bergleute lebendig. Er zeigt mit feinem Gespür, wie Menschen mit handwerklichem Geschick das Erz aus der Tiefe ans Licht holten.

Schon vor mehr als dreitausend Jahren wurde im Rammelsberg Erz abgebaut und auch Kupfer, Blei, Zink und Silber (eine der größten Buntmetall-Lagerstätten). Das zog im Mittelalter die deutschen Kaiser und Könige in die Stadt an.

Und so begaben auch wir uns nach diesem Ausflug nach Goslar, um erst einmal im Brauhaus Goslar am Markt mittagzuessen. Ich warf noch einen kleinen Blick in die Marktkirche, wo gerade eine Ausstellung mit Tonplastiken stattfand.

Gut gestärkt ging es dann zur Kaiserpfalz, wo uns eine interessante Saalführung erwartete.

Die Kaiserpfalz wurde zwischen 1040 und 1050 erbaut. Über 200 Jahre lang wurde hier auf Reichsversammlungen und Hoftagen deutsche Geschichte geschrieben. Die Wandflächen im Kaisersaal wurden im 19. Jahrhundert vom Historienmaler Hermann Wislicenus (Professor an der Kunstakademie Düsseldorf) mit Szenen geschmückt, die die Geschichte des „Heiligen Römischen Reiches“ erzählen, von Karl dem Großen bis zu Wilhelm I. Aber es sind symbolisch-idealisierte Szenen. Das Zentralbild, ein Triptychon nach Art eines Altarbildes zeigt eine sinnbildliche Komposition: Kaiser Wilhelm I. hoch zu Ross (sein Kopf mit Pickelhaube ragt in den Himmel) mit Personen aus Gegenwart und Geschichte, die sein Kaisertum stützen und überhöhen. In der Mittelachse unter den Hufen das Reichsadlerwappen, flankiert von „Vater Rhein“ und der „Geschichte“, deren Finger je nach Standpunkt des Betrachters nach links oder geradeaus zeigt. Ebenso scheinen die Augen des Pferdes den Betrachtenden zu verfolgen. Der linke Außenflügel zeigt die deutschen Fürsten, von denen Ludwig II. von Bayern symbolisch eine Krone überreicht, welche aber nie existierte. Dann zeigt auf der Südwand ein Bild das Märchen von Dornröschen, Symbol für den langen Schlaf und die Erweckung des Deutschen Reiches, und gegenüber an der Nordwand erwacht Barbarossa, blickt zum Kaiser und die Raben verschwinden, und somit ist das Reich wieder hergestellt. Nach einem Blick in die Pfalzkapelle St. Ulrich (unter der Grabplatte mit einer Darstellung Heinrichs III. befindet sich das Herz des 1056 gestorbenen Kaisers) steuerten wir unser Quartier, das „Landhotel Gut Voigtländer“ in Blankenburg an.

Nachdem wir uns gut eingerichtet hatten, versammelten wir uns beim sommerlichen Grillabend und ließen den Tag im gemütlichen Innenhof ausklingen.

Der Samstag begann mit einem reichhaltigen Frühstück vom Büfett.

Um 9.30 Uhr mussten wir parat sein, denn die Brockenbahn startete um 10.40 Uhr in Wernigerode. Als Überraschung verteilten Roland und Christine vorher für jeden eine kleine Überlebenstüte für die „lange“ Bahnfahrt. Wir waren pünktlich und durften auf einem Privatparkplatz am Bahnhof parken, und nachdem wir unsere reservierten Plätze eingenommen hatten und sich die Brockenbahn in Bewegung gesetzt hatte, leider nicht die Dampflok (wegen Brandgefahr) sondern die Diesellok, gab es einen besonderen Begrüßungsschluck: „Harzer Grubenlicht“ (Es grüne die Tanne, es wachse das Erz, Gott schenke uns allen ein fröhliches Herz.) Ja, fröhlich tuckerten wir nun gut anderthalb Stunden zum Brocken hinauf. Eindrucksvoll zeigte uns die Landschaft grüne Waldflächen, wie Mikadostäbchen umgefallene Baumstämme, dann abgestorbene Stämme wie aufgestellte Pfähle, abgebrannte, schwarze Baumteile, zwischen denen sich die blühende Natur schon wieder durchsetzt. Also eine sehr abwechslungsreiche Fahrt. Entgegen der Vorwarnung, da oben sei es bitterkalt, hatten wir blauen Himmel, und meine Jacke hätte ich gar nicht gebraucht. Angaben laut Wetterdaten: Anzahl der Nebeltage im Jahr 306,6 – Sichtweite bei klarem Wetter über 200 km. Von Nebel war keine Spur und die Sichtweite fand ich enorm.

Da entschieden wir auch, keine Führung in der Ausstellung im Brockenhaus zu machen, sondern im Freien. So erhielten wir eine Führung am höchsten Punkt auf 1.141/1.142 Metern über NN und im Brockengarten, der von Nationalpark-Mitarbeitern gehegt und gepflegt wird. Hier erfuhren wir, dass das Klima auf dem Brocken dem in alpiner Lage entspricht, somit konnten wir im Brockengarten zum Beispiel Edelweiß und Schwalbenwurz-Enzian bestaunen, so wie die nur hier zu findende Brockenanemone, Habichtskräuter und Alpen-Frauenmantel. Der Brocken ist der einzige Berg, der oberhalb der natürlichen Waldgrenze liegt, sodass nur sehr kleinwüchsige Fichten hier zu finden sind. Durch die mehrjährige Dürre ab 2018, den Befall durch den Borkenkäfer und den Temperaturanstieg sind weite Teile des Fichtenwaldes abgestorben. Aber die Natur erobert sich die Flächen wieder, diverse Vögel wie der Specht und diverse Schmetterlingsarten werden wieder gesichtet.

Ja, der Harz und der Brocken haben schon immer die Wissenschaft (Carl Friedrich Gauß), die Literatur (Goethes Harzreise) und Botaniker angezogen (Albert Peter richtete den Brockengarten 1890 ein), und es gäbe noch vieles über die Gebäude zu erzählen (Wetterstation, Sendebetrieb, Abhörstation, Brockenhotel und das Sperrgebiet). Aber das würde zu weit führen. Seit dem 3. Dezember 1989 ist er Brocken wieder für die Allgemeinheit zugänglich.

Nach der Rückfahrt machten einige von uns noch in Wernigerode in einem Eiskaffee Station, bis es wieder ins Hotel ging, wo diesmal ein Drei-Gänge-Menü serviert wurde, und auch diesen Abend ließen wir auf der Terrasse ausklingen.

Und schon brach unser dritter und letzter Tag an. Heute ging es zuerst nach Benneckenstein ins Ostdeutsche Fahrzeug- und Technikmuseum, untergebracht in einem ehemaligen VEB Betrieb für Berufsbekleidung. Hier begibt man sich auf eine Zeitreise zurück in die DDR-Fahrzeuggeschichte mit Alltagsgegenständen aus jener Zeit. Teilweise sind reale Situationen dargestellt. Man erfreut sich sowohl an den Gegenständen, an gedeckten Tischen mit viel „Plaste“, an Puppen, Werbeschildern, Kopfbedeckungen, Autos, Motorrädern, Fahrrädern, Campingsituationen, Automaten und in einigen von uns wurden Kindheitserinnerungen wach. Im Außenbereich konnte man Panzer, die MiG-21 und die Abhörkuppel vom Brocken bestaunen, und dort entstand auch unser Gruppenbild. Auf dem Weg, bei Königshütte, sprang mein Kilometerzähler auf 280.000 km!

Weiter ging es dann nach Tanne zum Mittagessen beim „Brockenbauer Thielecke“ mit Hofladen und Harzer Spezialitäten. Ich hatte ein Carpaccio vom „Harzer Roten Höhenvieh“ bestellt. Es zerging auf der Zunge. Super! Und da sich unsere Reise dem Ende näherte, bedankte sich Lars im Namen von uns allen bei Christine und Roland für die tolle Organisation und für die Auswahl des Hotels sowie der Besichtigungsorte mit jeweils einem Buch und natürlich mit einer selbstgemachten Marmelade.

Nach dem Essen wurde der vorletzte Programmpunkt angefahren: Das Nationalpark-Besucherzentrum Torfhaus. Auf dem „Waldwandelweg“, den ich nicht mitging, wurde die aktuelle Waldentwicklung veranschaulicht. Aber Hans-Peter Seidel und ich bekamen trotzdem viel Interessantes erzählt. Torfhaus hat seinen Namen vom Torfabbau, der bereits 1571 im Auftrag des Herzogs Julius von Braunschweig-Lüneburg, Fürst von Braunschweig-Wolfenbüttel erstmals untersucht wurde, aber nur bis 1768 erfolgte. Später wurde Torfhaus Poststation und Försterei. 1909 gab es eine Omnibusstation von Bad Harzburg nach Torfhaus, und so entwickelte sich langsam ein beliebtes Feriendomizil. Bis 1990 war in Torfhaus vor allem der Aussichtspunkt zum Brocken, und der Bundesgrenzschutz hatte hier ein Infozentrum. Heute ist hier ein frequentierter Ausgangspunkt für Wanderungen, beliebt bei Mountainbikern, Motorradfahrern sowie Renn- und Tourenradfahrern. Wir wurden über die Renaturierung und die Zuwanderung des Luchses informiert. Es kam keine Langeweile auf.

Als alle wieder eingetrudelt waren, ging die Weiterfahrt nach Bad Grund zu unserem letzten Beisammensein im Café Antique. Leider verabschiedeten sich einige aus verschiedenen Gründen. Schlecht ist es nur, wenn dies spontan erfolgt, denn schließlich sind wir als Gruppe mit einer bestimmten Personenzahl angemeldet. Das Lokal richtet sich danach ein, hält gewisse Speisen bereit und muss eventuell andere Gäste abweisen. Jedenfalls ich habe den leckeren Eierlikörkuchen und die heimelige, museale Einrichtung in vollen Zügen genossen.

Auch bei der Heimreise heftete ich mich an Rolands Stoßstange und kam so glücklich und zufrieden wieder in Hannover an.

Lieber Roland, liebe Christine, es waren für mich drei wundervolle, beeindruckende Tage voller neuer Erkenntnisse und schöner Erlebnisse. Sowohl am Freitag, als auch am Samstag und am Sonntag konnten wir uns den ganzen Tag auf wunderbaren, abwechslungs- und kurvenreichen Routen bergauf und bergab den Wind um die Nase wehen lassen, denn auch das Wetter war super. Ich kam manchmal aus dem Staunen nicht heraus, wie man solche Wege finden kann.

Fazit: Es kann nicht gemeckert werden, denn ALLES war bestens organisiert und ausgewählt.

Ganz, ganz lieben Dank für Euren Einsatz und Eure Mühe. Gegen eine Wiederholung haben wir, glaube ich, nichts einzuwenden, auch wenn es nur ein Tagesausflug ist.

In diesem Sinne herzlichst

Monika