Mit Chrom, Charme und Schalk – „RT 24 in Eulenspiegels Revier“ …
Was passiert, wenn sich 11blitzblank geputzte Mercedes-Oldtimer des Typs R107 bei wechselhaftem Sommerwetter auf den Weg ins südöstliche Schleswig-Holstein machen?
Richtig: Alle an dieser sommerlichen, jedoch-vom Wetter her unbeständigen Ausfahrt Beteiligten freuen sich auf eine gelungene Mischung aus Fahrfreude, norddeutscher Landschaft und jeder Menge guter Laune.
Ziel unseres glänzenden Konvois war dieses Mal die idyllische Eulenspiegelstadt Mölln, eingebettet in die reizvolle Landschaft des Naturparks Lauenburgische Seen.

Parkplatz-Tetris für Fortgeschrittene
Der Tag startete gleich mit einem echten Privileg. Treffpunkt war die örtliche Mercedes-Benz Niederlassung in Mölln. Dort fand zeitgleich eine nicht markengebundene Oldtimer-Veranstaltung statt – auf dem Gelände wuselte es also nur so von historischen Karossen aus aller Herren Länder.
Doch trotz dieses bunten Trubels wurde es uns netterweise gestattet, unser geschlossenes 107er-Kontingent dort abzustellen. Ein herzliches Dankeschön an die MB-Niederlassung, die für 11 herrschaftliche SL-Cabrios trotz des vollen Hofes noch ein schönes Plätzchen freigeräumt hat!

Heimatkunde statt Stadtführer: Eine Reise in die Schulzeit
Im Anschluss jedoch schien es an diesem Samstag wie verhext: Eigentlich hätte die Stadtführung vom „originalen“ Till Eulenspiegel begleitet werden sollen – jenem beliebten Darsteller, der die Stadtführung normalerweise professionell und mit der nötigen Portion Schalk im Nacken leitet; er war leider erkrankt und ein Stadtführer stand laut Touristinfo ebenfalls nicht zur Verfügung …
Da wir jedoch alle waschechte Schleswig-Holsteiner sind, blieb uns an dieser Stelle nur ein charmanter Ausflug in die Untiefen des eigenen Heimatkunde-(Unterricht)-Wissens.

Wir kramten tief in unseren grauen Zellen und erinnerten uns – mehr oder weniger erfolgreich – und so dämmerte es vielen langsam wieder:
Mölln verdankte seinen damaligen Reichtum vor allem seiner strategisch perfekten Lage. Die Stadt lag direkt an der “Alten Salzstraße” zwischen Lüneburg und Lübeck sowie am “Stecknitz-Kanal” (dem heutigen Elbe-Lübeck-Kanal). Hier florierte einst der Handel, was ordentlich Taler in die städtischen Säckel spülte.
Aber mal ehrlich: Wenn man heute von Mölln spricht, kommt einem sofort Till Eulenspiegel in den Sinn – und nicht unbedingt der Salzhandel.
Und wer war nun eigentlich dieser Till Eulenspiegel?
Till Eulenspiegel war der Legende nach ein umherziehender, mittelalterlicher Schelm und Handwerksgeselle aus dem 14. Jahrhundert. Sein größtes Talent?
Er nahm die Anweisungen seiner Mitmenschen stets absolut wörtlich und hielt gerade den Eitlen, Gierigen und Hochmütigen gnadenlos den Spiegel vor. Mit seinen Streichen sorgte er für reichlich Chaos, Gelächter und manch rotes Gesicht.
Mölln ist deshalb so untrennbar mit ihm verbunden, weil der berühmte Narr hier seine letzten Lebensjahre verbracht haben soll; die Stadt hat ihm zu Ehren Brunnen, Gassen und Geschichten gewidmet. Er ist im Jahr 1350 gestorben und (der Überlieferung nach in der St. Nicolai-Kirche hochkant) begraben.
Nun denn: Ausgestattet mit einem „kollektiven Halbwissen” machten wir uns zwar auf eigene Faust, aber dennoch zielsicher auf den Weg zu den Höhepunkten dieser Stadt:
Station Mölln – unsere selbstgeführten Entdeckungen:
- Der Historische Marktplatz mit dem Eulenspiegelbrunnen:
Hier begann unsere Zeitreise in die mittelalterlich geprägte Stadt Mölln – der Brunnen zeigt den „echten“ Till in Bronze sowie den „eingeschlichenen RT24-Uhlenspegel“– und wer beim „echten“ Till Daumen oder Fußspitze berührt, dem soll Glück winken. Einige Mitglieder haben gleich beide Hände eingesetzt, man weiß ja nie…

- Die St. Nicolai Kirche:
Eine backsteingotische Schönheit von beeindruckender Architektur – ein Ort der Besinnung. Ideal, um die Beine nach der langen Autofahrt einmal auszustrecken; der Erfolg des Gebetes einzelner Teilnehmer für die nächste TÜV-Plakette erscheint allerdings fragwürdig …
- Der Stadthauptmannshof & die Altstadtgassen:
Heute ein Kulturzentrum, früher Sitz der Stadtoberen. Historische Gebäude und verwinkelte Gassen mit ihrem wunderschönen, alten Kopfsteinpflaster, die vom früheren Leben der Stadt erzählen – so fühlte man sich teilweise um Jahrhunderte zurückversetzt. Eine unfreiwillige Vibrationsmassage blieb uns hier in unseren R107ern netterweise erspart




- Kurpark und Naturidylle:
Ein überraschend grünes Kontrastprogramm zur Altstadt und eine willkommene grüne Oase als perfekter Kontrast zu unseren Benzingesprächen.
- Das Till-Eulenspiegel-Museum:
Ein Ort voller Streiche, Geschichten und Spiegelbilder, es stand als optional auf dem Plan – Optional, falls der Heimatkunde-Unterricht doch zu viele Lücken hinterlassen hatte … Und so besuchten einige Mitglieder im Anschluss das Museum, das dem Leben und den Legenden des Narren gewidmet ist.



Tills Konterfei prangt ebenfalls an Souvenirshops, es gibt ihn als Gebäck und in Marzipan. Den Glücksbringer findet man auf Puzzles, Tassen, Schlüsselanhängern und selbstverständlich gibt es auch zahlreiche Kinderbücher.
Zugegeben, wir haben gar nicht erst versucht, uns an ihm vorbei zu schleichen – gegen diese allgegenwärtige Narren-Präsenz ist jeder Fluchtversuch zum kläglichen Scheitern verurteilt – der Narr hat in dieser Stadt überall absolute „Vorfahrt!”
Doch Till Eulenspiegel hat nicht nur Kindern etwas zu sagen. Eulenspiegel wird in heutigen Illustrationen oft mit einer Narrenkappe dargestellt. Er ist aber kein einfacher “Blödel Heini”, wie man sie aus Fernsehshows mit und ohne Narrenkappe kennt.
Er ist mehr als eine Person mit rebellischer Unangepasstheit, kein trivialer Vorgänger von Charly Chaplin, sonst hätte er kaum heute noch eine solche Stellung in der Literaturgeschichte. Insgesamt scheint er seinen Mitmenschen an natürlicher Intelligenz, gesundem Menschenverstand und Witz überlegen.
Ob es den Narren wirklich gegeben hat oder es sich hierbei nur um einen Mythos handelt, ist jedoch unklar.
Kurs Nord/Nord-West zum adligen Kuchenbuffet:
Nach so viel Kultur und Humor meldeten sich schließlich auch die weniger historischen Bedürfnisse, denn nach so viel selbst erarbeitetem Wissen und kultureller Weiterbildung rollten wir in entspanntem Cruising-Tempo über malerische Landstraßen zum adligen Gut Pronstorf im südlichen Kreis Segeberg.
Stellvertretend für alle Teilnehmer seien hier nur 3 Mitglieder mit ihren schönen „Sternenkreuzern“ dargestellt:

Im dortigen Gasthof erwartete uns das absolute Kontrastprogramm zum Möllner Altstadttrubel. Zwischen Tortenstücken und Kaffeetassen wurden die Eindrücke des Tages ausgetauscht. Schnell drehte sich das Gespräch auch um kommende Ausfahrten, geplante Veranstaltungen und natürlich um das Lieblingsthema eines jeden Oldtimer-Clubs: die Zukunft des Automobils.



Am späten Nachmittag waren sich beim ewigen Club-Klassiker-Thema alle einig: Ein modernes, elektrisches Surren mag ja ganz nett sein… aber es geht absolut nichts über das zufriedene, seidige Schnurren unserer Sechszylinder oder das stolze, voluminöse Brummen der Achtzylinder!
Mit diesem wohlig-mechanischen Soundtrack im Ohr traten schließlich alle erschöpft durch die vielen neuen Eindrücke und beseelt von dem Kurortflair der Stadt Mölln, die individuelle Schlussetappe nach Hause an. Zurück blieben viele schöne Erinnerungen an diesen ereignisreichen Tag und sicherlich auch einige neue, spaßige Anekdoten …
Oscar Fuchs RT 24

