Tja, und schwupps ist die Cabrio-Saison schon wieder zu Ende.
Das hat uns an diesem Sonntag das Wetter auch deutlich gemacht. Nichts mit offen fahren, diesig und nieselig war es den ganzen Tag, dabei ging unsere Fahrt ans Steinhuder Meer. Auch eine Bootsfahrt war gebucht.
Um so erstaunter war ich, dass wir mit dreizehn Autos am Parkplatz des Modezentrums in Langenhagen starteten.
Die erste Etappe nach Steinhude hatten wieder Ingrid und Rainer ausgearbeitet. Auch wenn für sie diese Strecke eigentlich Routine war (sie wurde auch bei unserem Jahrestreffen angeboten), wurden sie von Sperrungen, Baustellen und Umleitungen überrascht. Von diesen Unwegsamkeiten habe ich natürlich nichts bemerkt. Ich erfreute mich an Alpakas zusammen mit Hühnern, grasenden schwarzen, braunen und schwarz-weißen Kühen, leeren Storchennestern und Pferden auf der Koppel. Mein Vorteil ist ja immer, dass ich mich nicht auf den super mit Blitzeranlagen ausgearbeiteten „Fahrplan“ konzentrieren muss, sondern ich kann meine Blicke in der Gegend schweifen lassen (leider nicht fotografieren).
Und so kamen wir pünktlich in Steinhude auf dem Parkplatz an, trafen am Schiffsanleger auf Familie Lippold sowie auf Elke und Hans-Georg Heinrich, die den weiteren Ablauf des Tages geplant und organisiert hatten.
Das Steinhuder Meer ist der größte See Niedersachsens (32 qkm, Tiefe nur ca. 2 m). Er gehört zu den traditionsreichsten Segelrevieren in Deutschland. Regelmäßig finden sowohl Regatten, als auch Deutsche Meisterschaften und Europameisterschaften statt. 1906 wurde der erste Segelclub gegründet. Selbst heute hat sich noch ein Segler auf dem „Meer“ vergnügt, denn am 31. Oktober ist Schluss mit der Saison, dann beginnt das Winterfahrverbot mit Rücksicht auf Naturschutzbelange.
Wir bestiegen also das Fahrgastschiff „Steinhude“, das uns zu einer 1 ½-stündigen Rundfahrt in Richtung Nordufer vorbei an der Inselfestung Wilhelmstein und wieder zurück schipperte. Die Insel wurde 1761-1767 von Graf Wilhelm zu Schaumburg-Lippe mit Festung als Bastion zur Verteidigung errichtet und gehört auch heute noch dem Fürsten zu Schaumburg-Lippe, während das Steinhuder Meer dem Land Niedersachsen gehört. Mit der Fertigstellung hatte der Wilhelmstein eine militärische Funktion und war auch Militärschule. Nach dem Tod von Graf Wilhelm und Verlegung der Schule nach Bückeburg wurde diese zum ausbruchsicheren Staatsgefängnis (Gefängnisinsel: „Klein Alcatraz“). Nach einem Übereinkommen mit Preußen 1867 wurde das Gefängnis geschlossen. Bereits in dieser Zeit wurde die Insel vom Haus Schaumburg-Lippe als Besucherziel hergerichtet, und Prinz Alexander ließ 2005-2009 umfangreiche Renovierungen an den historischen Inselgebäuden vornehmen. Der Fremdenverkehr wird mit Veranstaltungen gefördert. Die gesamte Festung ist heute Museum. Wir wurden noch darauf hingewiesen, dass man an den Bohlen und Autoreifen sehen kann, wie der Wasserspiegel des Sees um fast 1/2 Meter gesunken ist.
Nach diesem Ausflug zu Wasser erwartete uns in den Strandterrassen das leckere, vorbestellte Mittagessen, und danach ging der Ausflug mit unseren Oldtimern weiter zum Kloster Loccum, wieder zu Lande, über schöne Landstraßen.
Die Einladung lautete: „Das Kloster, erbaut 1163, ist auch heute noch das bedeutendste Zisterzienser-Kloster in Niedersachsen. Bei einer Klosterführung erhalten wir faszinierende Einblicke in die 850-jährige Geschichte“. Und so begann unsere Führung mit der Stiftskirche aus dem 13. Jahrhundert, die die Strenge und Schlichtheit der Zisterzienser deutlich zeigt. Sie besitzt keinen Kirchturm, sondern nur einen Dachreiter. Die Mönche wollten in Askese und Bescheidenheit außerhalb der Zentren leben, es gab eine klare Arbeitsteilung, die betenden Mönche (8 Stunden täglich) und die Laienmönche (3 Gebetszeiten) für die praktischen Arbeiten. Deshalb war die Kirche ursprünglich auch durch einen Lettner getrennt, auf dem das beidseitig bemalte Tafelkreuz ursprünglich stand. Den Grundriss bildet ein Kreuz. 2011/2012 wurde die Kirche für das 850-jährige Klosterjubiläum umfassend renoviert. Eine Skulptur von Werner Franzen (1987): Christus beugt sich vom Kreuz herab und umarmt Bernhard von Clairvaux und zusätzlich auch Martin Luther. Es ist eine ökumenische Umarmung und damit auch eine Darstellung der Geschichte des Klosters. Über den Kreuzgang traten wir zuerst in das Refektorium ein, das 1599 als Speiseraum fertiggestellt wurde und in dem auf Initiative von Gottfried Wilhelm Leibniz Gespräche zwischen den Konfessionen stattfanden. Dann betraten wir den Kollegraum des Predigerseminars. 1886 erhielt der Düsseldorfer Künstler Eduard von Gebhardt den Auftrag, den Raum mit neutestamentlichen Szenen auszumalen. Er stellte diese Szenen in der Landschaft um Loccum und im Kloster dar und brachte darin viele Portraits von Einwohnern des Dorfes Loccum und des Klosters unter. Heute sind im Kloster Loccum das Predigerseminar für die lutherischen Kirchen in Niedersachsen (Braunschweig, Hannover, Oldenburg, Schaumburg-Lippe) sowie die Bremische Kirche angesiedelt. Hier werden Theologinnen und Theologen nach ihrem Universitätsabschluss auf die praktischen Tätigkeiten im Pfarramt vorbereitet.
Nach diesen vielen Informationen ließen wir den Tag bei Kaffee satt und sehr schmackhaftem Käsekuchen im „Prediger Seminar“ ausklingen. Lars beglückte das Organisationsteam mit selbstgekochter Marmelade und Hans-Georg mit Lektüre.
Ganz großen Dank an alle Beteiligten, es war rundum ein wunderschöner Abschluss unserer Saison (auch ohne Sonne).
Monika


























































