Saisonabschluß 2026 im Münsterland
Traumhaftes Wetter, fantastische Touren, Burgen und Schlösser im Überfluß und kulinarische Höhepunkte, das war unsere Saisonabschlußtour 2026 im Münsterland
-detaillierter Text am Ende des Beitrages-

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Schloss, Schlösser, aufgeschlossen
Der RT 28 auf Schlösser Tour im Münsterland
Wir fahren in Richtung Norden auf einer schmalen Straße in einer Kolonne. Die Sonne scheint warm in unsere Fahrzeuge. Vor mir ein saharagelber SLC mit Schiebedach. Der Innenraum mit seiner cremefarbenen Ausstattung wird durch die Sonne zu einer gelben Höhle, überhaupt dieses Gelb. Wir fahren durch Felder von Sonnenblumen, umsäumt von niedrigem Buschwerk, welches inzwischen auch die Farbe Gelb angenommen hat. Es ist Herbst. Plötzlich wird es dunkler, eine schwarze Wolke schiebt sich am Himmel in unsere Richtung. Es wird regnen, sage ich zu Laura, die gerade ihre langen blonden Haare löst und im Wind flattern lässt. Keine Antwort. Wir fahren ins Dunkle, die Straße wird immer enger, der Regen fällt in Strömen. Niemand schließt sein Dach. Es wird immer dunkler, eigentlich schon schwarz. Gewitter. Die Haare von Laura kleben ihr am Kopf wie eine gelbe Kapuze, während der Regen unaufhörlich auf sie einprasselt. Da klingelt es laut. Der Wecker. Es ist 7:30. Ich schrecke auf. Habe ich geträumt? Wo bin ich? Etwas orientierungslos schiebe ich den Vorhang auf und schaue ich aus dem Fenster. Ich sehe den magnetic-blauen SLC vor der Haustür. Kein Regen. Es wird ein guter Tag. Sonne ist angesagt. Die Realität hat mich wieder eingeholt. Nichts Gelbes. Am vereinbarten Treffpunkt stehen die SL`s in rot und blau. Blau wie der Himmel, rot wie das Herzblut, das für diese Ausfahrt ins Münsterland brennt.
Es ist der Beginn eines verheißungsvollen Morgens mit einem gehaltvollen Frühstück, einer Lagebesprechung und dem Aufschließen der Fahrzeuge. Die Erinnerung kehrt langsam zurück und mit ihr das schöne Gefühl der Verbundenheit mit der Natur, das Erleben wollen, was eigentlich nur Cabriofahrer so intensiv erleben können, wenn sie das Dach öffnen. Wir fahren durch die Dörfer, von Holdorf kommend, in Richtung Bramsche. Wir atmeten den Duft der Landwirtschaft ein, das Parfum des Zerfalls und des Neubeginns, wenn nach dem Düngen die Äcker wieder ergrünen. Der Kontakt mit dem Tuchmachermuseum in Bramsche führt uns zurück in eine Welt der Mechanik. Riesige Maschinen arbeiten im Takt, um aus Wolle etwas herzustellen, was uns nicht nur wärmt, sondern auch unsere Augen erfreut durch die Muster und Farben, die sich harmonisch miteinander verbinden. Der Prozess vom Tier zum Tuch erschließt sich uns hier hautnah. Ein Vorgang, der uns staunen läßt, was sich Menschen im letzten Jahrhundert ausgedacht haben aber auch, was sie aushalten mussten bei dem Lärm dieser Maschinen. Beeindruckend die geschichtliche Entwicklung der Industrieländer vom Aufstand der Weber bis hin zur Digitalisierung industrieller Tuchfertigung.
Der Weg zum Hotel in Münster Roxel ist eine bezaubernde Fahrt durch hügelige Landschaften, Umzäunungen mit Pferden, Kühen und Schafen. Aber nicht nur das gibt es zu bestaunen.
Das Münsterland ist bekannt für seine Burgen und Schlösser.
Um das zu erkunden, schließen wir die SL`s am Folgetag auf und starten zur Burg Hülshoff, unserer ersten Anlaufstelle. Annette Droste von Hülshoff, eine der bedeutendsten deutschen Dichterinnen ( Die Judenbuche), wurde dort geboren.
Die folgenden Jahre waren geprägt durch ein unglückliches Liebesleben und gesundheitliche Einschränkungen. Dennoch war ihre Schaffenskraft ungebrochen. Sie starb 1848 mit 51 Jahren. Wer sich mit ihrem Leben beschäftigt, wird verstehen, dass sie wegen ihres selbstbestimmten und unabhängigen Lebensstils gefeiert wird. Die Burg wurde von 1540-1545 erbaut. Die großzügige Parkanlage gestalte ihr Vater Clemens August von Droste Hülshoff. Wir genießen den Rundgang um den Burggraben, vorbei am Wildgehege, dem Teehaus und der Garteninsel. Es geht weiter zur Burg Vischering. Diese Wasserburg wurde bereits 1270 errichtet, 1521 zerstört und anschließend wieder in Teilen neu errichtet. Sie ist heute Sitz des Münsterlandmuseums. Eine Führung durch die inneren Räume wirft uns viele Jahrhunderte zurück in die Zeit der Ritter und später ins Zeitalter der Renaissance.
Die Plastizität der Erzählung durch unseren Guide und die Darstellung der Objekte gibt uns eine gute Vorstellung von einer Zeit, die uns nicht jeden Tag präsent ist. Nicht weit entfernt liegt das Schloss Nordkirchen, auch genannt das westfälische Versailles. Die imposante Auffahrt wäre der ideale Weg für unsere SL- Kolonne, ist jedoch leider für Fahrzeuge gesperrt und das aus gutem Grund, denn Autos würden diese Kulisse nur stören, sie passen dort nicht hin. Kutschen passen schon eher und so ist es nicht selten, dass Paare sich vor und in diesem Prachtbau das Ja- Wort geben. Dies kann zu jeder Tages- und Nachtzeit gebucht werden und geschieht tatsächlich mehr als 600mal im Jahr. Wir besuchen die Schlosskapelle und viele repräsentative Räume. Bei einem Bilderquiz zu 5 Wandbildern wird es schwierig. Mit Hilfe des Guides gelingt die Lösung. Wahrscheinlich wären wir bei Details der Motortypisierung unserer Fahrzeuge schneller gewesen mit der Lösung. Beim Besuch des Cappenberger Schlosses, es sollte das letzte sein auf unserer Tour, zeigen sich erste Erschöpfungstendenzen, weswegen wir auf eine Führung verzichten. Dennoch erweist sich der Rundgang wieder als ein wunderbares Erlebnis Münsteraner Schloss- und Baumkultur.
Den Abschluss am letzten Tag unserer Ausfahrt bildet eine Führung durch die Münsteraner Innenstadt. Berührend, wie unsere Herzen von einer jungen Abiturientin aufgeschlossen werden, um uns für die Zeit des Westfälischen Friedens, der Religionskriege und Geschichten um die Wiedertäufer zu sensibilisieren. So sind uns also auf unserer Schlössertour durchs Münsterland viel Schlösser aufgeschlossen und viele Türen geöffnet worden. Wir sind aufgeschlossenen Menschen begegnet, die dazu beigetragen haben, unsere Aufmerksamkeit auf Dinge zu lenken, die wir vielleicht ohne sie übersehen hätten. Die Fülle an Objekten und Eindrücken zeigt, welches geschichtsträchtige Potential in dieser Region steckt.
Ein großer Dank gilt Rolf Gross für die Ausarbeitung der verschlungenen Wege von Bremen nach Münster.
Dr. Leo Trentmann
