RT04 Leipzig durch Thüringen und die Röhn

Abb. Teilnehmerplakette

Abb.: Anfahrt via Google

Nach einer langen pandemiebedingten Benzinsparzeit startete Anfang September die Jahresausfahrt

des RT04 Leipzig zum Rennsteig im Thüringer Wald. Der 170 km lange Kammweg ist Kulturdenkmal

und einer der ältesten Weitwanderwege Deutschlands; er beginnt imEisenacher Ortsteil Hörschel am

Ufer der Werra und endet in Blankenstein.

Treffpunkt war der Berggasthof “Tanzbuche” in Friedrichsroda, welcher 720 m über dem

Meeresspiegel und idyllisch mitten im Wald gelegen ist. Wie wertvoll die Orientierung mittels

Landkarte ist, merkten einige Teilnehmer, die bei der Anreise nur auf moderne Navigation via

Mobiltelefon vertrauten, welche den smarten Fahrer z.T. über Forstwege führt. Glücklicherweise

verzeiht der 107er leichtes Gelände, wodurch auch enge Forstwege passierbar bleiben. Zudem kommt

man bei dieser Routenführung und offenem Verdeck auch schnell mit eifrigen Wanderern in Kontakt.

Nachdem auch der letzte verirrte 107er aus dem Gehölz das Licht des Wirtshauses “Tanzbuche”

erbilckte, war es an der Zeit, bei einem geselligen Abend wieder neue Motorristen kennenzulernen.

Der Name Tanzbuche begründet sich auf eine, an dieser Stelle gewachsenen zerzausten Buche, um

welche die Burschen und Mädchen vor 160 Jahren zum Johannisfest tanzten. Der Stadtschreiber

vermerkte: „1865 bewohnte hier Waldwart Orphal ein Haus mit seinen sieben Töchtern. Diese waren

wohl den Burschen gegenüber so gastfreundlich, dass Herzog Ernst II. von Sachsen-Coburg und Gotha

das Waldwarthaus kurzerhand schliessen ließ“. Hoffen wir, die Teilnehmer der Jahresausfahrt setzten

diese aufgeschlossene Tradition in den kommenden zwei Nächten fort…

Für die Rundfahrt am nächsten Tag gab es nicht nur zu jedem Gefährt ein passendes Bordbuch,

sondern neben einem kleinen Present auch eine hochwertige Teilnehmerplakette für den Kühlergrill.

Die Fahrerbesprechung enthielt zudemdie obligatorische Unterweisung zumHygienekonzept und die

Ausgabe der durch Fa. Krohne gesponsorten Mund-und Nasenschutzmasken. Während der Ausfahrt

wurde dann auch akribisch der Mindestabstand zwischen den 107ern eingehalten ;-)

Bei strahlend azurblauem Himmel starteten die 35 SL-Klassiker auf die erste 98km lange Etappe der

ca. 200 km langen Tagestour Richtung Wasserkuppe, welche mit 950 Metern der höchste Berg der

Rhön und die höchste Erhebung in Hessen ist.

Abb.: Start / Ziel in der “Tanzbuche”

Abb.: Mittagspause

Die Mittagspause wurde mit einem sensationellen Blick über den Thüringer Wald und die hessische

Röhn genossen. Für Technikbegeisterte stand zudem der Besuch des Segelflugmuseums auf dem

Programm. Der Segelflugwurde Anfang des 20. Jahrhunderts auf der Wasserkuppe durch Flugpioniere

etabliert. Der Durchbruch des Segelflugs erfolgte Ende des Ersten Weltkrieges, als der motorisierte

Flug in Deutschland verboten wurde – eine ideale Nische also für die nichtmotorisierten Gleiter. Bevor

wir uns derartige Verbote für den benzinbetriebenen Kaftverkehr vorstellen wollten, weckten wir die

von Thermik unabhängigen, oktanbetriebenen 6 und 8 Zylinder aus ihrem Mittagsschlaf. Auch wenn

der 107er Fahrer die aerodynamische Rafinesse mancher Koenig Frittentheke schmunzelnd

anerkennt, bringt es z.B. der SLC mit rundem Dach und leicht nach oben gewölbten Kofferraumdeckel

in der Fünfliter-Version mit kleinem Bug- und Heckspoiler auf einen respektablen cW-Wert von 0.39.

Auf der nachfolgenden 50km langen zweiten Etappe ging zum Vesper weiter Richtung Café Rhem in

Dermbach. Seit zehn Jahren verwendet die hauseigene Eismanufaktur für die über 50 verschiedenen

Eisspezialitäten regionale Zutaten. Angekommen am Café waren neben den Automobilen auch die

blau maskierten RT04ern besonderer Hinkucker. Im Sinne des Mannschaftsgeistes waren die Masken

somit verbindender als jedes Trikot.

Nachdem auch hier wieder keiner unter dem Gesichtsschutz erstickte und sich auch der letzte verirrte

107er eingefunden hatte, war es an der Zeit, die dritte Etappe in Angriff zu nehmen.

Im Brotterode-Trusetal machten viele Teilnehmer am höchsten Wasserfall des Thüringer Waldes

einen kurzen Zwischenstopp. Genau wie der 107er ist auch die Stauanlage mit aus der Truse

abgezweigtem Wasser kein natürlich entstandenes Naturphänomen, sondern eine künstlich durch

den Techniker geschaffene Attraktion – in diesem Fall jedoch bereits aus dem Jahr 1865. Vergleichbar

mit vielen Oldtimern wird auch der Wasserfall in den Wintermonaten abgestellt, hier aber um

Frostschäden an der Gesteinskulisse zu verhindern.

Einen besonderen Reiz der Tour stellten die Sonderprüfungen dar. Dabei wurden die Kenntnisse in

Geographie durch die Schätzung der Entfernung nach Leipzig getestet – ein echter Vorteil für geübte

Kartenleser. Das technische Wissen konnte bei der Identifikation von Kleinstteilen aus dem SL unter

Beweis gestellt werden, während das historische Rüstzeug durch Abfrage der Jahreszahlen

verschiedener SL Bauformen getestet wurde. Neben der Theorie konnte zudem mit fahrerischen

Fähigkeiten beim Rückw.rtseinparken und beim 107er-Dart gepunktet werden.

Den Gewinnern wurde zur späteren Siegerehrung nicht nur ein Pokal überreicht, sondern unter

Applaus auch die gebührende Anerkennung zu teil.

Abb: Siegerehrung (von links):

Abb.:Wasserfall

Ronny Baumung (3. Platz), Rainer Vettermann (1. Platz), Crostian Philippi (2. Platz)

Nachdem wie erwartet alle 107er und ein R129 ohne technischen Ausfall wieder in der

traditionsreichen Tanzbuche eingetroffen waren, die Verdecke und Schiebedächer geschlossen und

auch der Letzte sein Parklicht ausgeschaltet hatte war es Zeit, dem Spanferkel seine Aufwartung zu

machen und das leibliche Wohl zu befriedigen. Und so wie die Automatik mit dem 107er eine

Symbiose bildet, passt der Aromatique zum Fahrer, insbesondere nach einem zünftigen Abendmahl

in geselliger Runde. Anfang des 19. Jahrhunderts stellte der Neudietendorfer Apotheker Daniel Thraen

aus Anlass einer Epidemie erstmals ein alkoholhaltiges Arzneimittel aus Kräutern her. Dieses

begründete den Ursprung des Gewürz-Bitter „Aro“; und was in einer Epidemie geholfen hat, kann

prophylaktisch bei einer Pandemie nicht schaden…

Um die faszinierende Natur der Greifvögel und Eulen kennenzulernen, ging es am dritten Tag im

Konvoi zur Falknerei “Am Rennsteig”, welche zwischen Winterstein und Ruhla gelegen ist. In der

Flugshow konnten die Könige der Lüfte hautnah erlebt werden und beeindrucktenmitmajestätischen

Freiflügen.

Abb.: Falknerei “Am Rennsteig”

Im Resümee endete hier eine wunderbare 18. Jahresausfahrt des RT04. An dieser Stelle ein grosses

Dankeschön an die Organisatoren und alle fleissigen Helfer der IW-Classic in Leipzig

RT04 Leipzig durch Thüringen und die Röhn