RT 04 Leipzig – Race Feeling 2.0
Mit dem 107er beim Historischen Flugplatzrennen in Calden und beim Stadtpark Revival in Hamburg.
Nachdem wir mit dem Regionaltreff 04 aus Leipzig auf der Rennstrecke “Schleizer Dreieck” Rennluft geschnuppert hatten wurde es Zeit, einen Gang höher zu schalten. Diese Gelegenheit bot sich beim Historischen Flugplatzrennen in Calden und dem Oldtimer Grand Prix “New Stadtpark Rivival” in Hamburg.
Unser 107er war eines der wenigen Fahrzeuge, welches nicht auf dem Trailer chauffiert wurde, sondern auf “eigener Achse” die Anreise aus Leipzig antrat. Während die Fahrt nach Calden problemlos verlief, zeigte der sonst sehr zuverlässige 107er auf dem Weg nach Hamburg erstmalig ungewohnte Allüren. Nach einer Pause auf der Autobahn verweigerte sich der Motor zu starten. Die ansässige Mercedes Vertragswerkstatt hisste bei einem Auto ohne Stecker für das Diagnosegerät sofort die weisse Fahne, alle anderen Werkstätten im Umkreis ließen sich zum Freitag um 17 Uhr zu keinerlei Aktionen motivieren und auch der ADAC war trotz viel Mühe ratlos.

Abb. 1: Panne bei der Anreise – der Telefonjoker “IW Classic” in Leipzig ermöglichte die Weiterfahrt
Blieb also nur noch der Telefonjoker – ein Anruf bei IW Classic`s in Leipzig. Deren Ferndiagnose und der Reparaturvorschlag waren perfekt! Da der Schalter im Zündschloss defekt war, musste ein Kabel von der Batterie zur Zündspule, eine Sicherung und ein Schalter her. Glücklicherweise konnte uns dabei der ADAC helfen. Zwar musste ab jetzt zum Anlassen und Ausmachen die Motorhaube geöffnet werden, um so den
neuen Schalter zu bedienen, dies war aber das kleinere Übel. Überglücklich in Hamburg angekommen ging es zur technischen Abnahme, welche wir mit unserer neuen “Wegfahrsperre” auch bestanden.
Die Atmosphäre auf dem abgesperrten Flugplatz und auf dem Stadtkurs waren auf ihre jeweils eigene Weise phänomenal. Die über 300 sportbegeisterten Teilnehmer reisten grösstenteils mit eigenen kleinen Rennteams an. Die Bandbreite der Oldtimer reichte vom Protos (1929), über Ford GT-40 (1984), Lancia Stratos (1975) bis zu Formel 2 Fahrzeugen. Um den 107er, welcher abgesehen von 225er Reifen im unveränderten Serienzustand ist, sicher vom Start in`s Ziel zu bekommen, wurde in der “Start-up & Vintage” Klasse gestartet. Die Konkurrenten hier waren Kaliber wie Lagonda (1933), Excalibur (1965) und aufgerüstete Rennmaschinen wie dem Audi Coupe GT 5S (1983). Im späteren Rennverlauf zeigte sich schnell, dass auch in dieser (Einsteiger) Klasse um jeden Zentimeter gekämpft wurde. Jetzt wurde auch schnell deutlich, warum die Mitbewerber ihre teilweise sehr teuren Oldtimer z.T. zu Rennwagen umgebaut hatten. Es beeindruckt, wenn automobile Schätze mit Überrollkäfig, Semisliks und diversen Modifikationen aus dem Motorsport versehen werden. Zudem sind zahlreiche historische Rennfahrzeuge am Start, insbesondere die Youngtimer bestechen durch ihren z.T. brachialen Sound. Und mitten drin unser SL380, Bj. 83, der durch sein zeitloses Design auf viel Sympathie gestossen ist.
Nach der technischen Abnahme ging es zum Vorstart, und spätestens hier werden die Konkurrenten taxiert und es beginnt die Überlegung, welche Platzierung wohl möglich ist. Da Helmpflicht bestand, was die Bewegungsfreiheit im Innenraum doch stark limitiert, wurde kurzerhand entschieden “oben Ohne” zu fahren.

Abb.2: Fahrerlager in Calden
Auch wenn die Intension des Rennens doch auf der Freude am schnellen Fahren liegen sollte, änderte sich dieses Credo sofort, nachdem das Safety-Car die Strecke freigegeben hatte und das Rennen frei war. Jetzt überflutete Adrenalin alle guten Vorsätze, was sich in den stetig kürzeren Rundenzeiten widerspiegelte. An dieser Stelle wurde klar, warum das Reglement einen Helm fordert.

Abb.3: Vorstart mit Helmpflicht

Abb.4: Die Mitbewerber im Vorstart
Da der “Super Leichte” naturgemäß dann doch an Übergewicht leidet, hatten die luftgekühlten Bremsen keinen leichten Job, welchen sie aber mit Bravour meisterten. Trotz sommerlicher Temperaturen blieb der kleine 3.8 V8 tiefenentspannt. Auch der intensive Tritt auf das Gaspedal am Ausgang jeder Spitzkehre quittierte das Automatikgetriebe unauffällig. Die für den 107er vergleichsweise breiten Reifen erlaubten zwar eine zügige Kurvenfahrt, das weiche Fahrwerk zeigte dann jedoch schnell Grenzen auf.
Den größten Vorteil hatten die Konkurrenten aber bei den Bremsen. Hier musste der 107er dann doch geschont werden. Das ABS musste nicht eingreifen, was dann zahlreiche Überholvorgänge zur Folge hatte.
Als nächster Parcour stand das Stadtpark Rivial in Hamburg auf dem Plan. Die 1.6 Kilometer lange, mit Leitplanken versehene Rennstrecke mitten in der Stadt ist kürzer und fordert somit den Bremsen deutlich mehr ab, zudem gibt es weniger Fahrspuren und mehr Schikanen durch welche z.T. nur ein Oldtimer passt. Genau wie in Calden bestehen kritische Begrenzungen aus Strohballen, welche im Fall des Touchierens aber deutlichen Blechschaden anrichten können. Einige Kaskadeure machten diese Erfahrung.

Abb.5: Rennstrecke Oldtimer Grand Prix “New Stadtpark Rivival” in Hamburg
Aber auch mein Beifahrer wusste nach dem Rennen, dass das Armaturenbrett sowohl im oberen als auch im Kniebereich stoßnachgiebig und schaumgepolstert ist.
Im Fahrerlager angekommen wartete schon ein Zeltstellplatz auf den 107er und wir konnten unsere Konkurrenten in Augenschein nehmen. Zwischen z.B. Riley (1934), modifizierten 356ern, E-Typ (1971), oder einem March 79 (1979) rechneten wir uns zwar wieder keine großen Chancen aus, die Atmosphäre auf der Rennstrecke und die vielen begeisterten Anhänger des Motorsports mit historischen Fahrzeugen
entschädigten jedoch dafür. Abgesehen von einem „Dickschiff“ SLC 5.0, standesgemäß in Silber mit schwarzer Motorhaube und Zusatzscheinwerfern, waren wir wieder der einzige 107er auf der Piste.
Identisch wie auf dem Flugplatzrennen in Calden folgten an den kommenden Tagen je zwei Rennen, auch in Hamburg starteten wir in der einfachen Klasse für “Young Classics”. Dass wir bei jedem Start/Stopp die Motorhaube öffneten blieb dabei nicht unbemerkt, vereinfachte aber die Kontaktaufnahme ungemein.
Auf der Rennstrecke dann das das gleiche Szenario wie in Calden, schön rechts fahren, die schnelleren Oldtimer vorbeilassen und die wenigen eigenen Überholungen feiern wie den Gewinn der Weltmeisterschaft. Am Ende gelang es aber, Einige nur die geriffelten Rückleuchten des 107er sehen zu lassen.

Abb.6: Die Konkurrenz im Rückspiegel
Auch wenn unser 107er nicht der geborene Motorsportler ist, so lässt er sich doch als recht sportlich bewerten und dies reicht, um nicht die Rote Laterne zu bekommen oder vom “Lumpensammler” von der Strecke aufgelesen zu werden.
Auf der Rückfahrt war der SL dann wieder in seiner Paradedisziplin, dem souveränen Fahren auf der Autobahn, und das mit durchaus passablen Reisegeschwindigkeiten. In Leipzig angekommen wurden die Aufkleber entfernt, der Lack poliert und etwas Öl nachgefüllt. Blieb nur noch die Reparatur des Zündschlosses offen. Unter dem Strich waren es aber zwei spannende Rennwochenenden, mit viel Adrenalin, tollem Motorensound und Benzingeruch.

