Rund ums Cabrio

Roadster – Spider – Cabrio

Cabriolet hört sich „französisch an, geht aber tatsächlich auf das italienischen Wort „capriola“ – heißt übersetzt Bocksprung“ („Kapriolen“!) – zurück. So nannte man dort auch einen zweirädrigen Karren, der sich wegen einer langen, biegsamen Deichsel oft sprunghaft bewegte. Heute versteht man unter einem Cabriolet ein Auto mit versenkbaren Seitenscheiben und dichtem, gepolstertem Verdeck, das meistens hinter den Sitzen auf der Karosserie aufliegt.

Echte Cabrios sind wegen des hohen Aufwandes zur Verstärkung der tragenden Teile wesentlich teurer als die zugrundeliegende Limousine. Cabrio-Limousinen sind dagegen deutlich preiswerter herzustellen, weil an der tragenden Konstruktion nichts verändert werden muss. Es wird nur das Dachoberteil abgeschnitten und durch Segeltuch ersetzt. Zeitweise erfuhren deshalb die Cabrio-Limousinen größere Verbreitung. Typisches Beispiel ist die „Ente“ von Citroen, auch Opel bot mal eine Cabrio-Limousine an.

 

Die Wiege der klassischen Roadster liegt in England. Dieser Roadster mit seinem ungefütterten Not-Verdeck, bestehend aus Plane und Spriegel, hat nicht nur den Ruf, etwas für wetterfeste, sportliche „harte Männer“ zu sein. Normalerweise liegen das Stoffdach unsichtbar hinter den Sitzen, die herausnehmbaren Seitenfenster im Kofferraum – so vorhanden – oder irgendeinem Ablagefach. Die niedrigen Türen braucht man meis tens nur dann zum Einsteigen, wenn das Dach zu ist und die Seitenscheiben eingesteckt sind, sonst steigt man einfach drüber. Bei uns nennen manche Hersteller – wie z. B. Mercedes den SL – auch ihre Cabrios „Roadster“, mit dem einzigen Ziel, unterschwellig das Ursprüngliche, Harte, Sportliche des Roadsters als Werbebotschaft zu vermitteln

Der Spider ist ein etwas komfortablerer Roadster, aber noch kein Cabrio, er hat ein ungefüttertes Dach zum schnellen Zurückklappen und „Kurbel“-Scheiben in den Türen. Der Begriff stammt aus dem angelsächsischen „Speeder“ und wurde in Italien zum Spider. Die Engländer nannten die importierten Sportwagen entsprechend der italienischen Schreibweise „Speider“ (lautschriftlich), woraus die Italiener (Lancia) dann witzigerweise wieder „Spyder“ machten.

Eigentlich nur noch durch die Papstautos im Fernsehen ist das Landaulet oder Landaulette bekannt, früher auch nach dem vermuteten Ursprungsort Landauer genannt. Da ist das Fahrerabteil fest überdacht und der Fond cabrio-artig zu öffnen. Das bekannteste Modell der Nachkriegszeit entstand auf der Basis des Mercedes 600 und wurde etwa 60 mal gebaut.

Eine Kreuzung aus Landaulet, Cabriolimousine und Targa war das Baur-Cabriolet der Stuttgarter Karosserieschmiede auf Basis des 3er BMW: Vorne Targa mit festen Seitenteilen und herausnehmbaren Dachteil und hinten Cabrio.

Zunehmenden Komfortansprüchen trugen die Hersteller mit Zubehör, Kompromissen und neuen Lösungen Rechnung. Da gab es zuerst das Hardtop, das solide mit der Cabriokarosserie verbunden wird und praktisch ein Coupe draus macht. Porsche stellte 1966 erstmals den Targa mit herausnehmbaren Dachmittelteil vor.

Die aktuelle Entwicklung geht zum Cabrio, das gleichzeitig Coupe ist: mit festem Dach, das zum Offenfahren per ausgeklügelter Mechanik auf Knopfdruck zusammenklappt und unsichtbar im Kofferraum verschwindet.

hmw

 


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