Mein Weg zum SL oder: Alle meine Autos

Kaum drei Jahre alt, hatte ich bereits das Vergnügen, mit einem offenen Sportwagen selber herumkutschieren zu dürfen: mein Vater hat das Tretauto mit viel Liebe selber gebastelt.

Mein Patenonkel kam regelmäßig zu Besuch und ich durfte manchmal in seinem 220 (der mit den „Adenauer“-Kotfügeln) und später im 219er (das war die „Billigausführung“ des 220er) mitfahren.

Besonders beeindruckt war ich damals auch von einem BMW V8 („Barock-Engel“). Der gehörte den gut situierten Eltern eines Klassenkameraden, der in meiner Nähe wohnte. Uns beide versuchten die Patres im Internat in Schäftlarn zu „bilden“. Und von da holten uns oft dessen Eltern oder vielmehr deren Chauffeur in die Ferien ab. Diese beiden Marken – Mercedes und BMW – prägten denn auch mein späteres Autoleben.

Bei der harten klösterlichen Erziehung – im Winter waren in der Früh im Schlafsaal öfter mal die Waschlappen am Bettgestell festgefroren – freuten wir uns über die willkommene Auflockerung, als eine Woche lang Szenen zu dem Film „Wenn der Vater mit dem Sohne …“ mit Heinz Rühmann und Oliver Grimm im Schulhof gedreht wurden. An den Alfa Romeo Giulietta Sprint (was für ein Name!), BMW 507, MGs und SLs der Filmschauspieler konnten wir uns nicht Sattsehen. Und da wurde mir klar: Irgendwann will ich auch mal so ein Auto fahren. Der Traum vom eigenen offenen Sportwagen hatte sich als Virus festgesetzt, wurde dann aber (viel zu) lange von „Antikörpern“ in jeder Form in Schach gehalten.

Die Zeit bis zum 18. Geburtstag schien unendlich, deshalb bearbeitete ich meinen Opa, bis er mit mir als Fahrer kleinere Ausflüge mit dem elterlichen Brezelkäfer unternahm. Das verbilligte den späteren Führerscheinerwerb ganz erheblich; der Prüfer merkte es auch und fragte nach ein paar Minuten Fahrt, wie viel ich denn schon schwarz gefahren sei. Sei’s drum: 10 Minuten später war ich unglaublich stolzer Besitzer des begehrten Papiers.

Noch im Internat, konnte ich die Ferien kaum erwarten, um mit meinen Freunden im 34-PS-Familien-Export-Käfer (115 km/h Spitze) herumzubrausen. Die kannten meine Leidenschaft und ließen mich gelegentlich die Fahrzeuge der jeweiligen Eltern ausprobieren, meistens natürlich Alltagsautos wie Opel Rekord oder den „Badewannen“-Ford. Bleibenden Eindruck hinterließ hingegen ein Jaguar E-Type mit seinen 265 PS aus dem 4,2-l-12-Zylinder bei einem Gewicht von nur 1120 kg, Spitze 250 km/h und einer tollen Straßenlage – da konnte kein deutscher Sportwagen mehr mithalten.

Ebenso bleibend – aber auf ganz gegenteilige Weise – war der Eindruck einer Probefahrt mit einem 180er Diesel. Der hatte eine Automatik und verschaffte mir ein lang anhaltendes Vorurteil, denn das ohnehin zurückhaltende Dieseltemperament wurde durch die Automatik schlichtweg unerträglich.

Gegen Ende der Schulzeit hielt ich es dann nicht mehr aus und suchte nach irgendeinem fahrbaren vierrädrigen Untersatz. In die engere Wahl kamen schließlich ein schwarzer 180er Ponton-Diesel mit 350.000 km für 1.500 DM und ein weißes 300er Coupe mit 50.000 km – die Bezeichnung stammte zwar von meinem Traumauto, aber der Hersteller lag total daneben, dafür kostete es bloß 750 DM.

Das Sparbuch entschied sich für das Goggo 300 TS Coupe (mit elektromagnetischem Vorwahlgetriebe, Spitze mit 13 PS 85 km/h). Immerhin konnte ich fürderhin stolz und ehrlich behaupten, ein 300er Coupe zu fahren bzw. gefahren zu haben. Die Füße reichten bis zur vorderen Stoßstange (aber nicht, weil ich so groß bin!), die 400 kg konnte man buchstäblich mit dem „Hintern“ um die Kurven lenken, und wenn der Schwung zuviel war, reichten zwei Leute, um sie wieder vom Graben heraus zu ziehen. Meiner Klasse und mir machte das Mobil einen Riesenspaß. Am Stammtisch im Tegernseer Bräustüberl – ich hatte es vor der Türe geparkt- fragte mich mal eine Bedienung „wie geht’s deinem Auto?“. Ich drehte mich um, da hatten die das liebevoll „Huastenguatel“ (= Hustenbonbon) genannte Miniauto doch mitten in die Gaststube getragen. Wer hat jemals noch neben seinem Auto im Tegernseer Bräustüberl gesessen?

Einmal brachte uns das Coupe sogar zu fünft (!) zum Weißwurstfrühstück im „Donisl“ nach München. Es war der Tag – vielmehr die ausklingende Nacht vor der Sportabschlussprüfung im Schwimmen, zu der wir dann gerade noch pünktlich zurückfanden. Dabei erreichte unsere Fitness bedauerlicherweise bald ihren Tiefpunkt, was zeitweise zu allgemeinem Chaos führte und nicht ohne Folgen bei der Bewertung blieb.

Die Anwohner eines Bergpfades, der zu meiner Unterkunft führte, werden den unüberhörbaren Zweitakter nächtens manchmal verflucht haben: Der schmale Weg war so steil, dass das 300er Coupe nur mit viel Schwung rauf kam. Mittendrin vergaß das Getriebe aber bisweilen den vorgewählten Gang. Dann blieb nichts übrig, wie rückwärts runter und mit Vollgas ein neuer Anlauf.

Eines Tages riss der Gaszug. Kurzerhand spannte ich eine Schnur vom Vergaser über die seitliche Lüftungsöffnung hinten zum linken Frontscheibenrahmen. Bei lose hängender Schnur konnte man mit dem Ellbogen bequem Gas geben. Die funktionierte auch als Tempomat-Vorläufer, indem man sie am schrägen Fensterrahmen einfach weiter nach unten schob …

Nach der Abschlussfeier überschätzte ich mein Durchhaltevermögen und so kam es, dass gegen 4 Uhr in der Früh – der „Tempomat“ stand auf Höchstgeschwindigkeit – der Zeitwert meines 300er in Sekundenbruchteilen – nur 4 Wochen nach dem Kauf – auf 40 Mark einbrach. Meinem sehr wohlwollenden Schutzengel verdanke ich, dass das ganze ohne längerfristige körperliche Folgen blieb. Im Innern aber hatte sich ab da für mein ferneres Autoleben eine gewisse Abneigung gegen kleine Autos im Allgemeinen und gegen Heckmotor im Besonderen festgesetzt.

Es folgte notgedrungen eine trost- weil autolose Zeit. Die Bundeswehr rief nach mir, und der Wehrsold (ich glaube, es waren 75 Mark im Monat) reichte kaum zum Ausgehen. Schweren Herzens verlängerte ich um ein paar Monate, denn dann gab es fast 500 Mark im Monat und noch dazu ein Übergangsgeld

Bald hatte ich 1500 Mark zusammen, für die mir mein ehemaliger Volksschullehrer sein gepflegtes Hansa 1100 Coupe verkaufte.

Mit 40 PS lief es fast 130 km/h, aber es dauerte einige Zeit, bis sich alle Gänge reibungslos schalten ließen, weil der Vorbesitzer bei dem elastischen Motor nur den 2. und 4. Gang benutzt hatte. Schwarz/weiß erschien mir etwas trist, im Farbladen war mir „feuerrot“ ins Auge gestochen, fürs Lackieren zahlte ich noch mal 150 DM. Ein Freund fuhr einen roten Porsche 356, und mit den zwei roten Coupes machten wir fortan die Straßen (und manches andere) in Niederbayern unsicher. Mit dem Porsche-Image konnte der Hansa nicht recht mithalten, es waren allerlei Tricks nötig, um jenem vor Publikum die gleich Aufmerksamkeit zukommen zu lassen. Die Kombination Frontantrieb mit wirksamer Hinterrad-Handbremse war da recht hilfreich, trug sie doch zur Wendigkeit bei und ermöglichte beispielsweise präzise 180°-Kehrtwendungen zur anderen Straßenseite (bei dem geringen Verkehr damals kein Problem) oder „Karussell-Betrieb“ auf winterlichen Parkplätzen (leeren natürlich).

Ein Kolbenfresser erleichterte mein Sparbuch um 400 DM. Schließlich nervte aber bei Regen ständiges Tropfen auf den Gasfuß. Und nasskaltes Wetter mochte der 1100er schon gar nicht und blieb einfach stehen. Da kam eine kleine Erbschaft wie gerufen, sie reichte für den Kauf eines roten Kadett B Coupe im Rallye-Look, – eine gute materielle Basis für die nächsten Autos, wo ich kaum was aufzahlen musste. So folgte erstmals eine der künftigen „Hausmarken“, ein gebrauchter BMW 1800 TI, der mit Sportwagen-Fahrleistungen (110 PS, Spitze über 170 km/h, das war damals schon was!) viel Freude am Fahren brachte, aber mit seiner Zweivergaseranlage auch recht wehleidig war. Unvermutet geriet der Roadster-Virus auf einen Siedepunkt, als mir mein Autohändler einen Triumph TR3 im Tausch – ohne Aufpreis – anbot. Ein Anti-Körper verhinderte dies.

Zu dem Zeitpunkt war ich nämlich unbedingt auf die freundliche Gesinnung eines Mannes angewiesen, dessen reizende Tochter (siehe Bild) ich allzu gerne für mich haben wollte – die war noch nicht 21 und damit nicht volljährig und bedurfte daher der Zustimmung ihrer Eltern. Jener deutete mir aber an, dass er schon allerlei Unerfreuliches über meinen Fahrstil gehört habe und er deshalb niemals zuließe, dass sie in so einem Auto und dann auch noch ausgerechnet mit mir mitführe.

Das traf mich schwer, und um ihm den Ernst meines Ansinnens und meine Seriosität zu beweisen, hielt ich sofort nach einer soliden Familienkutsche Ausschau.

Mit Erfolg: ein weißer 220 SE (Heckflosse), 120 PS stark, 70.000 km alt und mit luxuriöser Ausstattung wie Schiebedach, Lederpolster und Becker Mexiko mit Fuß-Fernbedienung fand seinen Beifall und begleitete uns zuverlässig auf der Hochzeitsreise und durch die ersten Ehejahre.

Mit 170 km/h lief der SE erstaunlicherweise genauso schnell wie der BMW, obwohl er bei nur 10 PS mehr größer und fast vier Zentner schwerer war, in Beschleunigung (12 s bis 100 km/h) und Straßenlage kam er aber nicht an den sportlichen TI heran. Diverse unverschuldete Crash-Erfahrungen bestätigten die Vorteile eines großen Autos. Und es erwies sich auch, dass der Unterhalt eines größeren gebrauchten Autos keineswegs teurer sein muss als der eines kleineren Neuwagens.

Es kann ja nicht jeder aus dem Vollen schöpfen und mitunter begegnen einem noch andere schöne Dinge im Leben, die meistens nicht umsonst zu haben sind …

Dem Daimler folgte wieder ein BMW. Der 3.0 S war – im Vergleich zur damaligen Konkurrenz – ein unglaublich agiles Auto, mit 170 PS war er gut 220 km/h schnell und beschleunigte in weniger als 9 sec. auf 100 km/h – kein Wunder bei einem Gewicht, das heute ein 3er oder die C-Klasse haben. Es gab noch keine Gurtpflicht, aber aus einer Laune heraus war ich gerade mal angeschnallt, als mir – mit äußerst makabren Folgen – ausgerechnet ein Leichenwagen die Vorfahrt nahm. An einer Hauswand zerschellte der BMW – wieder waren 4 Wochen seit dem Kauf vergangen – zum Totalschaden. Dank Gurt konnte ich unverletzt aussteigen und die Versicherung zahlte den nächsten. Die darauf folgende Nachfolgerwahl traf dann die Energiekrise. Wegen der überredete mich meine „Familie“ zum kleineren und vergleichsweise recht müden 520er (der erste mit 6-Zylindermotor). Immer wieder schielte ich natürlich auch nach einem SL, aber sowohl der Preis wie auch der Platzbedarf ließen die Vernunft über den Traum siegen.

Manta und Commodore meiner Eltern erlösten mich von meinem Automatik-Vorurteil, weil ich merkte, dass man auch mit der durchaus „sportlich“ fahren kann, wenn nur genügend PS dahinter stecken.

So hatte der neue 230 E auch eine, und ab da alle. Da die Beste aller Gattinnen nach Flüggewerden der Kinder wieder ins Berufsleben strebte, trat ich ihr den inzwischen nicht mehr ganz taufrischen 230er ab. Der Betrieb forderte leider wieder ein Auto mit viel Platz und so machte ich zur Abwechslung mal einen Ausflug in die Offroad-Welt. Die Auswahl an solchen Geräten war noch begrenzt und das G-Modell zu teuer, die Japaner dagegen trotz umfangreicher Ausstattung bezahlbar; also blieb mir nichts anderes übrig, als fremd zu gehen, und bald stand ein 3-l-Pajero mit Automatik und Klimaanlage in der Garage.

Der war mit dieser Ausstattung ein bequemes Reiseauto und bestand seine eigentliche Bewährungsprobe in einem ungewöhnlich harten Winter, wo er des öfteren „normale“ Autos aus Gräben und Äckern ziehen durfte. Es waren gelegentlich auch alte „Strich-Achter“-Diesel aus der eigenen Familie dabei. Denn wegen der eigenen Erfahrungen (s. o.) kaufte ich meinen Töchtern nach dem bestandenen Führerschein ein billiges altes Auto, aber groß und solide musste es sein!

Die Werkstatt bekam Motorprobleme nicht in den Griff, weswegen der bei 30.000 km seinen Geist aufgab. Und weil der „Spezialist“, der mein Auto „kannte“, gerade 8 Wochen in Amerika Urlaub machte, mussten wir fast den ganzen Sommer lang auf Reisen mit dem Auto verzichten. Da hatte ich vom Fremdgehen die Nase voll und bald gesellte sich zum betagten, aber immer noch zuverlässigen Daimler wieder ein 7er BMW, der später, weil in den Kofferraum auch ein 19“-Monitor reinpassen sollte, durch einen Touring ersetzt wurde.

Mein Sohn – erblich vorbelastet -, wollte aufs Motorrad nicht verzichten, weil’s bis zum Autoführerschein zu lange gedauert hätte. Was Eltern immer befürchten, trat leider auch ein. Der Gebrauch von Rollstuhl und Krücken blieb aber Gott sei Dank auf ein halbes Jahr beschränkt. Es muss wohl der Schutzengel von damals gewesen sein …

Das Schmerzensgeld reichte für ein BMW Cabrio, das ihm bald, weil Offen- und Schnellfahren nicht so gut zusammenpassen, zu langweilig wurde. Er brauchte Geld, um sein Traum-Auto, einen 3er mit M5-Motor zu bauen. Der Spätsommer war keine gute Zeit, um ein Cabrio los zu werden – da ließ der Roadster-Virus in mir einen Plan reifen. Ich „opferte“ mich und nahm ihm das Cabrio ab, – natürlich nur, um es im nächsten Frühjahr dann besser verkaufen zu können – so meine „offizielle“ Version. Bei schönen Ausflügen fand mit der Zeit auch die Beste aller Ehefrauen Gefallen am Offen-Fahren. Vom Verkaufen war dann immer seltener die Rede.

Jetzt kommt unser direkter Nachbar ins Spiel: eine Autowerkstatt mit Lackiererei, wo andauernd interessante Autos wie Jaguar, Porsche, SL und Ferrari, aber auch wunderschöne Oldtimer zur Reparatur oder zum Restaurieren direkt vor meiner Nase meinen Virus strapazierten. Besonders schlimm war es immer, wenn ein SL da stand, gleich ob 190er, „Pagode“ oder 107er. Im letzen Frühjahr war wieder so eine kritische Phase. Da lachte mich tagelang ein sehr schöner 350 SL an, mit Automatik, in goldmetallic und mit grünem Leder (letzteres ist zwar nicht ganz mein Geschmack), äußerlich zeigte nur die hintere Stoßstange Rostansatz. Auch der Besten aller Ehefrauen gefiel das Auto. Einer Eingebung folgend erkundigte ich mich, ob der nicht zu haben sei. Und tatsächlich: aus 1. Hand, 130.000 km, Bj. 1976, sollte er nur 10.700 DM kosten. Da konnte denn auch die Beste … nichts dagegen haben, zumal der BMW leicht soviel einbringen sollte. Als ich endlich den Besitzer antraf, hatte der das Auto tags zuvor verkauft.

Später stellte sich heraus, dass man in den 350er doch noch mindestens 10.000 DM hätte reinstecken müssen, weil er unten rum schon ziemlich marode war. Es bedurfte einiger Mühen, die Beste … mit der männlichen Logik vertraut zu machen, derzufolge der „genehmigte“ Preis für den 350er plus der Reparaturkosten von über 10.000 DM, die ja nicht zu vermeiden gewesen wären, eine solide Basis für den Kauf eines neueren und besseren SL, der voraussichtlich so schnell keine größeren Reparaturen benötigt, darstellt.

Beim folgenden Anzeigenstudium machte sich zunächst Ernüchterung breit, weil sehr gut erhaltene Exemplare des 107 SL nicht unter 30.000 DM angeboten wurden. Ein 85er 280 SL hätte meinen Vorstellungen in Farbe und Ausstattung (Rauchsilber/Leder schwarz/Automatik/Kat) fast genau entsprochen, Preis war keiner angegeben, deshalb rief ich an. Ein bevorstehender Ausreisetermin wegen eines mehrjährigen beruflichen Aufenthalts in Singapur war ein überzeugender Verkaufsgrund. Wegen der verlangten 29.800 DM hakte ich ihn zunächst ab, aus dem Kopf ging er mir aber nicht mehr.

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Vier Wochen später besichtigte ich einen roten 83er. Das Auto machte einen relativ guten Eindruck, war rostfrei und sollte knapp 20.000 DM kosten. Es fehlten zwar Kat und Ledersitze, außerdem war eine Scheibe im Verdeck kaputt, aber wenn der Preis stimmt … Gar nicht gefiel mir hingegen, dass der Verkauf per Anzeige durch einen Bekannten des Besitzers vermittelt wurde und der noch dazu, wie sich dann herausstellte, nie Halter des Fahrzeuges war, er hatte es „nur ein paar Monate bei sich rumstehen“: Nein, Danke!

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Jetzt versuchte ich es noch mal bei dem „rauchsilbernen“. Er war tatsächlich noch zu haben und überzeugte auch bei der Besichtigung durch einen hervorragenden Pflegezustand. Ein paar Monate zuvor waren noch eine Hohlraumversiegelung durchgeführt und der Kat ausgetauscht worden, das KHM-Verdeck ist 3 Jahre alt. TÜV („ohne Mängel“) und AU waren neu. Nardi-Lenkrad, Recaro-Ledersitze und 16“-BBS-Felgen mit 225er Reifen sind zwar nicht originalgetreu, waren aber willkommen, und außerdem waren alle Originalteile zusätzlich mit dabei, was sich noch als recht erfreulich erweisen sollte. Wegen des unmittelbar bevorstehenden Ausreisetermins war der Besitzer bei den Preisverhandlungen so entgegenkommend, dass eine Entscheidung nicht mehr zu verhindern war.

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Die ersten längeren Ausflüge brachten zutage, dass im Laufe der Jahrzehnte bei mir offenbar das Komfortbedürfnis höher und die Neigung zu Kurvengrenzgeschwindigkeiten ein wenig geringer geworden sind. Deswegen wurde bald das Sportfahrwerk durch die Originalfedern samt neuen Stoßdämpfern ersetzt und auch die BBS-Felgen mit 225er Reifen stehen zum Verkauf. Zusammen mit neuen 205/65er Michelin-Reifen auf den „Fast“-Original-Kanaldeckelfelgen vermittelt der SL ein völlig neues Fahrgefühl und ist beinahe nicht wieder zu erkennen: er fährt wie auf Samtpfoten, verlässt Spurrinnen jetzt dann, wenn ich es will, und die Kurven lassen sich dennoch kaum weniger flott als vorher umrunden.

Natürlich entspricht ein Auto, das vor 30 Jahren konstruiert und vor 15 Jahren gebaut wurde, nicht ganz dem neuesten Stand der Technik. Aber neben der klassisch-schönen Form verleiht gerade die noch „zugängliche“ Technik dem 107 seinen eigenen Charakter, und genau der ist das Liebenswerte an Oldtimern und solchen, die es werden wollen.

hmw