Geschichten mit und über den SL

Frühling im Kalender – ein wunderschöner Tag

von Willy Damrath

Der erste, richtig warme und sonnige Tag des Jahres 2004, und ich wollte nach Gladbeck um einige Teile für mein maritimes Zweithobby zu besorgen. Ein seltener Glücksfall wollte es, das grade jetzt ein Kurzzeitkennzeichen für die TÜV-Vorführung am Auto klebte.

So hob ich das Coupe-Dach entschlossen ab , –  es war erst Tags zuvor in Erwartung schweren Wetters aufgesetzt worden, und das von mir modifizierte Windschott nahm seinen Platz wieder ein. Ich war in gespannter Erwartung, wie sich die, an Stelle des Netzes montierte Plexiglasscheibe bewähren würde. Der Engelen sagt ja, das geht nicht und das wollte ich nun in der Praxis erproben.

Eine erste Proberunde um den Block verlief schon am Montag recht erfolgversprechend.

Leider stand  ständig jemand im Weg herum, weshalb die erreichbare Geschwindigkeit eine eher gemäßigte war, außerdem war es für einen Mann meines Alters noch ein wenig frisch…(ehe das sonst jemand anmerkt)

So startete ich also gut gelaunt den Boliden und rollte mit leise grummelndem V8 aus der heimischen Einfahrt um dann, Kühlwasser und Motoröl sanft warmfahrend, allmählich die Geschwindigkeit zu steigern.
Da ich Gladbeck am heutigen Tage erreichen wollte, ging es zunächst auf die A2. Mit dumpfem Ansauggeräusch und brausendem Motorlüfter nahm der Roadster schon in der Auffahrt rapide an Geschwindigkeit zu, Wasser stand bei ca. 82, Öl bei 70 und die Außenluft wurde vom zuständigem Instrument mit 21 Grad gemessen. Ladespannung knapp über 14 Volt, Öldruck am Anschlag, Tank wohl gefüllt, Eco-Anzeige hart rechts am Anschlag.

Die Tachonadel hatte ihren Zenit überschritten und fiel rechtsseitig wieder herab…..180,…200,….220,…mein zufriedenes Grinsen gefror mir plötzlich, als meine Gedanken zu den, mein Fahrzeug mit der Straße verbindenden Gummis wanderten. WINTERREIFEN hatte ich drauf! Den rechten Fuß reflexartig gelupft und den dahinsausenden Brummer auf moderate Fortbewegung gezügelt.

Mit wachen Sinnen auf das Unheil verkündende „schlapschlapschlap“ eines sich auflösenden Reifens gewartet und den nächsten Rastplatz angesteuert um ein Auge auf den Geschwindigkeitsindex der schwarzen Gesellen zu werfen.

So, Kniebeuge….wo stand das denn noch? Ach da….“H“…was war noch H? 180 Km/h? Ja, ich glaub schon, also keine unmittelbare Gefahr für Leib und Leben, keine fehlenden Gummiteilchen zeugten von beginnender Auflösung der Kollegen.

Also wieder ins Auto, Schlüssel rum,…“klack..wummm“ Schalthebel auf D und ab dafür…..in rasantem Sprint den Ruheplatz verlassen und in den Verkehr eingereiht.

Was war da noch? Ach ja, das zu testende Windschott, also hoch mit dem Dingen….hmm,…wie war das noch im letzten Jahr mit dem Netzteil? Ein wenig zupfts am Schopf, doch dafür haben wir ja das flotte Käppchen im Karomuster, wie es auch Jackie Steward trägt. Passt zu mir ebenso gut, dazu noch die immer modische Fliegersonnenbrille, natürlich verspiegelt um begehrlich Blicke auf andere, äh,…Autos zu verbergen.

FR1

So gleiten wir also zufrieden über die BAB und geben uns ganz der Freude am SL hin….ein klein wenig lauter ist es mit der Scheibe, doch weit entfernt davon, unangenehm zu sein, Chic find ich’s außerdem mit der getönten Scheibe.

Bei gemäßigtem Tempo ist reichlich Zeit, die anderen Automobilisten ein wenig zu beobachten, mal sehen ob hier wieder einige „Turbo-Rolfs“ unterwegs sind.

Da ein Sattelschlepper mit dicken Baumstämmen beladen, was daraus wohl wird? Ein Gartenhaus, Möbel fürs traute Heim oder andere Dinge?

Na egal, jetzt setzt er kurz vor der Baustelle zum überholen an,..tz, tz. Nun muss ich ganz nach links um nicht endlos hinterher schleichen zu müssen. Ah, da ist eine ausreichende Lücke, also Blinker links und rüber…oh, die Lücke wird kleiner, da möchte mich jemand nicht reinlassen,….typisch Audi, mit Sicherheit ein TDI! Aber nicht mit mir, da kann er hupen und kaspern wie er mag, schwups und drin bin ich! Hehe…mal sehen ob er gleich mitkommt,…bis 180 darf ich ja.

So, Bahn ist frei, Pinsel runter! Und, höhö…geht halt nix über ausreichend Hubraum!

Ein flauschiges Gefühl zufriedner Überlegenheit stellt sich auch in dem silbergrauem, in die Jahre gekommenem Sportler ein, ist halt ein V8 Roadster mit, noch heute trotz einiger Narben in seinem stählernem Körper, zeitgemäßer Leistung.

Nun wieder runter und die 130, eine angemessene Geschwindigkeit aufgenommen, da kommt er, na? Jau, ein TDI, hihi, wie er sich aufkröppt! Ja ja, du mich auch! Freundlich lache ich zu ihm, der sich als blondschöpfiges, nicht unübel aussehendes Froillein entpuppt, zu.

Nun grinst sie auch, na bitte, und das in meinem Alter! Ein rascher Blick in den Rückspiegel, ja, volles Haar, ein drei Tage-Bart und jugendliches Grinsen….wenn das Madame wieder sehen könnte, ihre Sprüche dazu kenne ich nun seit fast 3 Jahrzehnten. * grins *

Ein Blick in den Spiegel zeigt eine zügig heranrauschende Gruppe großer, dunkler Limousinen, die in nur wenige Meter messenden Abständen mit mindestens 200 an mir vorbeijagen,….und ich darf nicht mitspielen!

Ist schon komisch, das diese Kisten meist in Gruppen auftreten, immer wieder drei, vier von denen dicht hintereinander, wie machen die das? Und vor allem, warum? (da muss ich an Klaus, (KJE) und seine flammenden Verteidigungsreden für Turbo-Rolf denken und wieder grinsen, ist ein herrlicher Tag)

Na egal, jetzt bin ich in einer langen und, zumindest auf der linken Fahrspur, recht engen Baustelle. 10 cm rechts zu den großen, bedrohlich rollenden LKW-Rädern, links auch nur etwa 10 cm zu den harten Metallplanken, die mit der Flanke meines SL kurzen Prozess machen würden. Muss heute nicht sein, stört mich irgendwie. Also klemmen wir uns zwischen die Lastkraftwagen, Platz lassen sie ausnahmsweise genug. Außerdem kann die Abfahrt nicht mehr weit sein.

Musik, –  ich habe vergessen, die „lala“ anzumachen,…“klick“ Nachrichten.

Also CD rein, ups, Freddi trillert von Meer und endloser Weite, passt mir gut, bin ja auch in maritimer Angelegenheit unterwegs. Da, die Abfahrt, leise mitsummend nehmen wir sie mit gewohnter Schneidigkeit,…“iiiihhh“ hui, die Winterreifen stimmen ein eindrucksvolles Klagelied an, haften aber nicht schlecht. Leichtes Untersteuern, klick, eine Schaltstufe runter und die Sache mit einem Gasstoß gerichtet. Fein, das treibt doch immer wieder ein freudiges Grinsen in meine Visage, das auch die missbilligenden Blicke anderer Verkehrsteilnehmer nicht zu trüben vermag.

So, Konzentration ist angesagt, hier habe ich mich schon öfter verfahren…da, ein Hinweisschild.

Am Wegesrand eine Plakatwand die eine hockende Dame bei einem Geschäft zeigt, mit einer Kippe in der Hand. Mein Gott, auf welche Geschmacklosigkeiten kommen die Werbestrategen denn noch?! Eine blödere Zigarettenwerbung habe ich noch nie gesehen,…aber ein Gutes hat sie doch –  wo sind meine Kippen?

Ah, wieder ein Schild, rechts ab….da ist der Laden. Hier ist ein Parkplatz,…nö, eine Pfütze, das tut nicht Not. Dahinten ist auch noch einer frei, da kommt das Auto auch besser zur Geltung.

Die Stunde im Laden erspare ich Euch, denn ich bin schon wieder unterwegs, im Kofferraum eine Steuerrad, die Speichen von glänzendem Stahl und außen feines Edelholz. Dazu einige neue Opferanoden, damit sich Ruder und Propellerwelle nicht in Wohlgefallen auflösen und ein neuer Ventilator für die Maschinenraumbelüftung. So beschließe ich zufrieden mit mir und der Welt, über Land heim zu fahren, wie mit dem Krad, nach dem Sonnenstand, denn hier im Revier kenne ich mich überhaupt nicht aus.

Was war das? Eine Imbissbude mit dem überaus freundlichem Namen „Sattmacher“. Das klingt sehr gut, schade das ich mich schon auf die Pizzeria in meiner alten Heimat eingestellt habe. Da war ich schon lange nicht mehr, so ist die Vorfreude auf die „Riesendinger“ groß! Zudem bin ich allein, keine Gefahr also bei einer Thunfischpizza, Madam missbilligt es scharf, wenn ich „Flipper“ esse!

Oh Gott, wo bin ich denn hier? Heija,….Marl, das kenn ich, die Richtung werde ich mal einschlagen. Oder, nee, doch lieber die Sonne rechts behalten, dann müsste die Richtung passen. Arena auf Schalke!  Ha, da bin ich auf dem richtigen Weg, Also gemütlich weiter, gemütlich, na hier wird man aber tüchtig durchgeschüttelt, ein Kopfsteinpflaster wie vor dem Krieg, hier sind bestimmt schon Fuhrwerke, gezogen von stämmigen Westfalen, drüber gefahren.

Bochum steht da, ja, das passt mir gut, fahre also in diese Richtung. Freddi fährt mit einem Seelenverkäufer die Elbe runter, sorgt sich um die Wracks unter der Wasserlinie und ich rolle am Wegweiser, der „Castrop-Rauxel 7 Km“ verkündet, vorbei.

Schön, mal wieder hier durchzufahren, könnte schauen, ob Dirk schon im Dienst ist. Ich hab ja ne Woche Urlaub, das erheitert mich natürlich auch, schöner noch ist das Wetter, meine Herren, wie schnell ist es warm geworden.

Da ist die Vermittlungsstelle Kirchlinde,…kein Kangoo zu sehen, also auch kein Dirk da. Aber DOMO ist nicht weit weg, da gibt’s ein nettes Pläuschchen und eine Tasse Kaffee. Manchmal findet sich auch ein Stücksken Kuchen.

„Hi Jörg, tach Heiner“ wird die Mannschaft begrüßt und rasch ein Kaffe gezogen. Den Hinweis auf mein „gebasteltes“ Windschot entlockt dem Mechanikus ein fettes Grinsen und die Bemerkung, „die werden dich in der Luft zerreißen“, womit die RT-Freunde und alle anderen Originalitätsfans gemeint sind.

Kann ich mit Leben, bringt hohen Unterhaltungswert!

Noch ein wenig über die morgige TÜV Vorführung geplaudert, dann geht’s weiter in Richtung Heimat.

Quer durch den Dortmunder Hafen, Borsigplatz weiträumig umfahrend bin ich nun in Lanstrop  angekommen, hier werde ich mir etwas vom Bäcker mitnehmen, denn das Kuchenstück, welches ich bei Domo stibitzt habe, hat den gröbsten Hunger gestillt, außerdem wollte ich daheim wieder ans Werk, die erworbenen Teile sollten montiert werden und auch ein letzter prüfender Blick unter das Fahrzeug musste noch erfolgen.

Den Nachmittag verbrachte ich an Bord meines kleinen, sehr bescheidenen Bootes und befasste mich wieder mit der Materie. Man glaubt gar nicht, wie die Elektrik auf den meisten alten Booten konstruiert ist!

Meines hatte im Laufe seiner 28 Dienstjahre 5 Besitzer, jeder für sich offenbar ein kleiner Elektrozauberer. Wenn man sich aber daran gewöhnt hat, dass ein abgehendes rotes Kabel unterwegs zum Endverbraucher drei bis fünfmal seine Farbe ändert und nichts, aber auch gar nichts als gegeben hinnimmt, dann geht’s mit der Zeit.

Grad habe ich einen Lüfter entdeckt, der falsch herum eingebaut wurde. Statt der Kabel wurde der komplette Lüfter halt gedreht, so das er nur einen Bruchteil seiner Energie in den Lufttransport stecken konnte. Außerdem wird er von einem zweiten Lüfter, der nur noch als Flansch zur Abgabe der Luft nach außenbords verwendet wird, zusätzlich gebremst!

Erfreulicherweise ließ sich der alte Lufttransportkamerad komplett zerlegen, reinigen und nun wieder verwenden, jaja, das war noch „Made in Germany“.

Übrigens, einen Bootsurlaub kann ich jedem gestressten Zeitgenossen wärmstens empfehlen, doch das gehört nun gar nicht mehr hier her,…..

Von Stern zu Stern,

Willy