Winterschlaf-Checkliste

Ruhe sanft –  Winterschlaf-Checkliste vom Oldtimerprofi Alois Hoppen

Alle Jahre wieder sollte unser Schätzchen für den Winterschlaf vorbereitet werden. Die Einsicht, dass das gute alte Auto nicht so einfach weggestellt wird ist eines- die gute Tat etwas ganz anderes. Wenn es nicht nur bei den guten Vorsätzen bleiben soll, muss man sich von vornherein genügend Zeit und Muße mitbringen. Sonst wird das nichts Richtiges und macht außerdem überhaupt keinen Spaß.

Den gesamten Wagen von oben und unten ordentlich (natürlich möglichst von Hand) waschen.

  1. Lack konservieren, also wachsen und anschließend polieren.
  2. Chrom mit Politur, speziellem Schutzwachs oder Paraffin konservieren, aber nicht polieren, sodass der aufgetragene Film Kratzer oder sonstige undichte Chromflächen sicher vom Sauerstoff abschließt. Poliert wird erst wieder im Frühjahr.
  3. Gummiteile und -dichtungen mit Glyzerin und/oder mit Armor-All einreiben, Früher verwendete man auch gelegentlich Hirschtalg. Auf alle Fälle soll dadurch die Elastizität wieder aufgefrischt und erhalten werden. Durch die Silikonanteile im Armor-All wird eine Tiefenwirkung bis in die Molekularstruktur erreicht, sodass die Dichtungen wieder tiefschwarz, glatt und frisch erscheinen.
  4. Lederausstattung reinigen und anschließend mit Lederfett einbalsamieren aber nicht trocken polieren, so kann das Fe/1 über die Monate ins Leder einziehen und die einzelnen Fasern wieder beleben und dadurch geschmeidig halten.
  5. Kunstleder mit Kunststoffreiniger reinigen und anschließend mit Armor-All einreiben. Durch die Tiefenwirkung werden die Elastomere dem Kunststoff sozusagen wieder zugesetzt, sodass sich dieser nicht weiter zusammenzieht und versprödet und dadurch keine, oder zumindest nicht so schnell, (im Prinzip) irreparable Risse bekommt.
  6. Unterbodenschutz zunächst nur optisch prüfen und einzelne Beschädigungen der guten Mercedes-Kunststoffhaut lediglich ausbessern. In der Regel sind das ausschließlich Stellen, wo die Hebebühnenteller fälschlicher Weise angesetzt wurden.Dort nur loses Material bis zum festen Grund entfernen, anschleifen, mit (möglichst zinkphosphathaltiger) NFZ-Grundierung grundieren, lackieren und zum Schluss wieder mit einem Kunststoff-Steinschlagschutz überstreichen. Bei kleineren Stellen eignet sich auch eine überlackierbare Karosserie-Dichtmasse auf PU-Basis als bester künftiger Steinschlagschutz.

    Auf keinen Fall soll man m. E. den billigen Bitumen-Steinschlagschutz auftragen, das Zeugs war Standard in den 60er Jahren. Das Einölen oder Wachsen, oder womit auch immer, auf intaktem großflächigen Unterbodenschutz hat mir auch noch niemand plausibel machen können, es ist m. E. völliger Unsinn.

  7. Hohlraumschutz prüfen. Bei mit Mike-Sander-Fett behandelten Fahrzeugen entfällt dieser Punkt für immer.
  8. Alle Ablauflöcher kontrollieren, bzw. frei stechen, insbesondere die (von mir so genannten) Nasenlöcher in der Stehwand links und rechts, sowie die zwei (ohne Klima), bzw. sechs (mit Klima) Ablaufschläuche im Tunnel über der Kupplungsglocke.Die relativ starke Kondenswasserbildung um den Motor herum entsteht hauptsächlich bei Inbetriebnahme während der kühlen Witterung, insbesondere frühmorgens.Die dem Motorraum zugewandten Bleche der Längsträger, Steh-blech- und Spritzwandhohlräume werden schneller erwärmt als die äußeren Bleche dieser Hohlräume. Dadurch schlägt sich in dieser geschlossenen Kammer zwangsweise die bereits erwärmte Luftfeuchtigkeit an den kühlen Außenwänden in Form von Kondenswasser nieder. Dieses abendfüllende Thema greife ich im übernächsten Heft nochmals intensiver auf.
    Die zu kontrollierenden Ablauflöcher nochmals ganz kurz zusammen gefasst, sind folgende:
    Jeweils 4 in jedem der vorderen Radhäusern, jeweils 2 in den Schwellern, jeweils 5 in den Türen, 2 in der Mulde der Scheibenwischerarmachse, 2/6 Ablauflöcher Kardantunnel, 2 im Kofferrau, beim SLC mit Schiebedach 4 Ablauflöcher. Alle werksseitigen Gummistopfen müssen natürlich in ihrem Loch sein.
  9. Vor dem endgültigen Wegstellen den Motor noch mal richtig warm fahren, natürlich nicht bei Regen. Während der Rückfahrt volltanken zur Vermeidung von Kondenswasserbildung im Tank. Das ist aber m. E. bei einer Einwinterung von ein paar Monaten nicht nötig.
  10. Unmittelbar nach der letzten Fahrt ggf. Öl ablassen, falls ein Ölwechsel/Ölfilterwechsel überhaupt ansteht.
  11. Falls erforderlich, Automatiköl mit Filter wechseln. Es reicht m. E. wenn das alle 50.000km gemacht wird.
  12. Kühlwasser auf Frostschutz prüfen.
  13. Scheibenwisch-Wasser auf Frostschutz prüfen oder ablassen.
  14. Bremsflüssigkeit prüfen.
  15. Mit ölgetränktem Lappen die Auspuffrohre verschließen.
  16. Zur Vermeidung von Standplatten die Räder auf 4 bis 4,5 Atü aufpumpen. Hochbocken ist ebenfalls gut, aber ziemlich umständlich.
  17. Die Motor – Innenkonservierung ist nur sinnvoll, wenn der Wagen über mehrere Jahre weggestellt würde.
  18. Für Belüftung des Interieurs sorgen, also Seitenscheibe ca. 5cm auf lassen, Türen nur äußerster Raste schließen. Die Tür-Dichtgummis können sich so besser entfalten und sorgen für die kommende Saison für mehr Abdichtspannung.
  19. Den Kofferraumdeckel nur auflegen wegen Gummiregenerierung und Belüftung. Achtung, wegen der nun eingeschalteten Kofferraumbeleuchtung muss die Batterie abgeklemmt oder abgeschaltet sein .
  20. Verdeck nicht einlegen, aber auch nicht voll spannen, sondern hinten nur auf erster Raste einhängen.
  21. Verdeck imprägnieren
  22. Feststellbremse lösen, sonst könnten die Bremsbacken festrosten. Das gilt übrigens genauso für die Kupplung bei mechanischem Getriebe.
  23. Batterie möglichst ausbauen und alle 4 – 6 Wochen nachladen. Vor der geballten Kraft der Batterie habe ich den allermeisten Respekt, denn z. B. die Kabel zum Zündschloss und Lichtschalter, etc. sind nicht abgesichert und führen im Falle eines Kurzschlusses fast immer zum Abfackeln des gesamten Fahrzeugs, der Garage und alles Anderen, was sich sonst noch in der Garage befindet.Deshalb wenigstens den Minuspol abklemmen oder eine abschaltbare Batterieklemme für 15,- Euros installieren. Mit einem so genannten „Akkulogger“ kann man die Ladekapazität der Batterie ebenfalls erhalten. Das Ausbauen empfehle ich aber trotzdem, da bei zu schneller Ladung aus der Batterie so genanntes Knallgas entweicht und sämtliches Umfeld, insbesondere das Batteriestandblech, bald anfängt zu rosten.
  24. Falls kein sogen. Pyjama aufgelegt wird, die Scheibenwischerblätter abklappen, ansonsten ein Blatt Papier o. ä. dazwischen legen.
  25. Falls das Fahrzeug in einen Pyjama verhüllt wird, dann in einem mit aufgerauten, bzw. flanellierten Naturfasern, meist zweilagig, in sehr dicker Ausführung. Der Pyjamastoff soll unbedingt luftdurchlässig, aber nicht staubdurchlässig, sein. Wasserdichtes Kunststoffgewebe oder Planen sind völlig ungeeignet und zerkratzen sogar den Lack, wenn diese nur um Zentimeter verschoben werden. Tücher sind auch ungeeignet, da der Staub durchsickert und den Lack später ebenfalls im wahrsten Sinne des Wortes alt ausschauen lässt.

Das Allerwichtigste aber ist die richtige Garage. Nicht die Temperatur, sondern die Qualität der Luft ist entscheidend. Man sollte möglichst für eine konstante Temperatur sorgen, denn gerade die Temperaturschwankungen um den so genannten Taupunkt herum, führen am kalten Autoblech zu Kondenswasser oder gar Raureif.In einer ungeheizten und gut durchlüfteten Garage fühlt sich unser (vierrädriger) Liebling am kuscheligsten.

Völlig ungeeignet sind Blech- oder Beton-Fertiggaragen, erst recht, wenn diese noch unisoliert und mit keinen Fenstern oder sonstige Belüftungsmöglichkeiten ausgestattet sind. Selbst wenn ein Fahrzeug nur mal für ein paar Jahre in so einem „Stall“ gestanden hat, sieht man es dem Wagen, insbesondere den Fahrgestell-, sowie den Anbau- und Achsteilen, sofort an. Ein preiswertes Carport wäre in diesem Fall immer vorzuziehen.

Für den Fall der Fälle sollte man sich auch ggf. um eine Ruheversicherung gegen Feuer und Diebstahl kümmern. Meine Frau Beatrix hat (wie immer) meinen handgeschriebenen Text In den PC gehauen und meinte anschließend: „Fein, was du alles so weißt und weitergibst und dann lese ich noch den Satz gleich zum Anfang, dass die gute Tat etwas ganz anderes wäre….“ Nun, – zugegeben, bei allen Fahrzeugen mache ich das auch nicht, zu mindest nicht jedes Jahr in dem vorgeschriebenen Umfang. Die technische Konservierung ist mir natürlich immer am wichtigsten und ich erledige solche Arbeiten auch wirklich gerne. Die Arbeiten am äußeren Lackkleid dagegen könnten mich gelegentlich geradezu wegjagen.

  • Regelmäßige Chrompflege erspart den frühzeitigen Neuteilekauf
  • Altes Öl über Nacht ablaufen lassen
  • Ölwechsel heißt auch gleichzeitig Filterwechsel
  • Ölwechsel frühestens alle 50.000 km
  • Bei hohem Ölverbrauch für ältere Motore – Öl-Zusatz zum preiswerten 15W40
  • Beim Automatikölwechsel Filter erneuern
  • Frostschutz okay?
  • Wenn nötig, Bremsflüssigkeit wechseln, sonst können die Bremskolben festkorrodieren
  • Luftschutz: mit ölgetränktem Lappen Auspuffrohr verschließen -Gedächtnisstütze ins Fahrzeug legen
  • Reifendruck auf 4 – 4.5 atü erhöhen, dann gibt’s  keine Standplatten und anschließende Unwucht
  • Für vergessliche Zeitgenossen: Gedächtnisstütze ins Fahrzeug legen
  • Motor-Innenkonservierung nur bei mehrjähriger Fahrpause sinnvoll
  • Diese grausame Arbeit kann man auch ins Frühjahr verlegen
  • Alle 4 – 6 Wochen Batterie nachladen
  • Stellplatzprobleme kann man auch mit einer Hebebühne lösen…