Wintertipps – Stilllegung – Wiederinbetriebnahme

Profi-Tipps für den Winter und zur Stilllegung

Wem diese ausführlichen Profi-Tipps für Oldtimer eine Spur zu weit gehen, der ist auch mit den der Winterschlaf-Checkliste oder den Praxistipps für den Winter (siehe Menü links) gut beraten…

Die Umgebung

Entscheidend für das Wohl und Wehe unserer Liebhaberfahrzeuge während der Wintermonate ist ihr Standort. Da unser mitteleuropäisches Klima leider feucht-kalt und von vielen Temperaturschwankungen über und unter dem Gefrierpunkt begleitet ist, kommt einer trockenen Unterbringung doppeltes Gewicht zu.

Wählen Sie deshalb einen möglichst gut durchlüfteten Raum: Eine alte Scheune z. B. – dichtes Dach vorausgesetzt – bei der der Wind durch alle Ritzen pfeift, bietet genügend Frischluftzu- und -abfuhr. Lehmboden bindet zudem Luftfeuchtigkeit. Eine Normgarage sollten Sie mit zusätzlichen Be- und Entlüftungen versehen.

Ein geheizter Unterstellplatz empfiehlt sich vor allem dann, wenn man während der Wintermonate an Ihrem Liebhaberfahrzeug arbeiten will: Dann muss aber konstant so geheizt werden, dass die Temperatur möglichst immer einige Grad über den Gefrierpunkt bleibt. Die Gefahr der Kondenswasserbildung ist gerade bei Temperaturwechseln um den Gefrierpunkt herum groß. Und auch hier gilt: Ohne richtige Entlüftung schadet auch eine geheizte Garage mehr, als sie nutzt.

Vorbereitung 

Fahren Sie Ihr Fahrzeug über eine längere Strecke (ca. 50 km) betriebswarm. Warum so lange Warmfahren – ganz einfach: Nur so ist gewährleistet, dass sämtliches Kondensat aus Motor und Auspuffanlage völlig entfernt ist. Es besteht so nicht mehr die Gefahr des Verrostens. Während der letzten Fahrt tanken Sie Ihr Fahrzeug bis zum Rand voll mit Kraftstoff: wo kein Hohlraum ist, hat der Rost keinen Erfolg. Dieser Rat gilt freilich nur für die Winterstillegung (max. 6 Monate) in einer feuersicheren Garage. Profis und Perfektionisten machen’s anders: siehe „Motor“ weiter unten. Wer später keine Möglichkeit mehr dazu hat, soll an der Tankstelle auch gleich den Reifenluftdruck um ca. 1 – 1,5 bar erhöhen.

Es bietet sich an, am noch warmen Motor auch gleich einen Öl- samt Filterwechsel vorzunehmen/vornehmen zu lassen. Wer im Winter seinen Oldie fahren will, muss das richtige Öl einfüllen. Wurde der Motor in letzter Zeit nicht überholt, ist es gut, die bisherige Ölsorte – nicht unbedingt Viskosität – beizubehalten und NICHT eventuell von einer unlegierten auf legierte oder synthetische Öle umzustellen. Der Grund: Legierte Öle haben eine stärkere Selbstreinigungskraft als unlegierte. Dadurch lösen sie im Motor abgelagerte Rückstände und bringen diese in den Ölkreislauf. Dort verstopfen sie die feinen Ölbohrungen und führen dadurch unweigerlich zum Motorexitus.

Die Kontrolle sämtlicher Betriebsflüssigkeitsstände sollte selbstverständlich sein.
 

Generalreinigung:

Von außen nach innen
Schmutz begünstigt die Bindung von Feuchtigkeit und damit Korrosionsschäden. Innen- und Kofferraumreinigung, Wagenober- -unter- sowie Motorwäsche stehen jedem Fahrzeug gut. Eine anschließende Konservierung des Lackes mit einem Wachs (und dabei schwört jeder auf ein anderes Mittelchen) und der Chrom- Messing- oder Nickelteile mit Vaseline oder Unterwasserfett sind selbstverständlich.

Die Wagenunterseite ist von Haus aus dazu verdammt, ein Schattendasein zu führen. Steinschläge, Schmutz und Feuchtigkeit treiben dort in Ecken und Kanten ihr zerstörerisches Unwesen. Je nach Jahrgang des Fahrzeuges sollten deshalb vor Winterbeginn, nach einer gründlichen Unterbodenwäsche Hohlraumkonservierung und Unterbodenschutz genauestens kontrolliert und bei Bedarf nachgebessert werden. Bei älteren Modellen empfiehlt sich das Aufsprühen von Unterbodenwachs. Dieser U-Schutz hat den Vorteil, dass er immer flexibel bleibt und sich den entsprechenden Außentemperaturen anpasst. Selbst die kleinste Schadstelle sollten Sie sofort ausbessern, denn je später Sie zur Behebung schreiten, desto umfangreicher wird Sie.

Cabrio- und Roadster-Stoffverdecke sind vorzugsweise nur mit Wasser zu reinigen, wobei leicht von vorne nach hinten gebürstet wird. Bei starker Verschmutzung oder Flecken empfiehlt sich die Verwendung von speziellen Reinigungsmittels, das es bei Cabrio-Herstellern wie Mercedes-Benz gibt. Gegebenenfalls sollte es auch konserviert bzw. imprägniert werden.

Bei der Außenreinigung sind auch gleich die Gummidichtungen der Scheiben, Türen und des Kofferdeckels zu prüfen. Wenn sich an den Außengummis kleine Warzen gebildet haben, hilft im allgemeinen ein Schwamm, ein gängiges Spülmittel und etwas energisches Reiben.

Werden die abgetrockneten Fenstergummis anschließend dünn mit einem Silicon-Schmiermittel oder Vaseline eingerieben, bleiben sie geschmeidig, gleitfähig und wasserabstoßend. Aber Vorsicht: Windschutzscheibe und Lenkrad tragen nach dem Kontakt mit Silicon einen kaum mehr zu entfernenden Schmierfilm.

Innenraumpflege:
Großreinemachen in der guten Stube ist selbstverständlich, und wenn das Fahrzeug eine Lederausstattung besitzt, muss diese auch gepflegt werden, indem man sie mit einem entsprechenden Lederpflegemittel behandelt.

Bei Cabrios das Dach geschlossen lassen. Seine Form und das Gestänge werden es Ihnen danken. Wenn man länger das Hardtop benutzen will, sollte man das trockene Verdeck besonders sorgfältig im Verdeckkasten verstauen (mit Tuch-Rollen in den kritischen Knickstellen) und bei niedrigen Außentemperaturen in Ruhe lassen. Besser wäre, es komplett auszubauen und (aufgespannt) trocken und staubfrei aufzubewahren.

Um Feuchtigkeit z. B. unter den Fußmatten zu verhindern, nimmt man diese ebenso wie die Gepäckraumabdeckung heraus. Man erkennt so gleichzeitig, ob das Fahrzeug irgendwo undicht ist und kann entsprechende Maßnahmen ergreifen.

Motor
Ältere Motoren sind häufig nicht mehr ganz dicht. Ölnebel und in den Motorraum gewirbelter Staub verbinden sich dort gerne zu einer schmierigen Schicht. Kaltreiniger, sparsam aufgesprüht und mit einem Lappen abgerieben, sorgt meistens auf Anhieb wieder für weitgehende Sauberkeit. Nur in schwierigen Fällen sollte ein Hochdruckreiniger eingesetzt werden. Zu leicht wird dabei Wasser dahin gedrückt, wohin es eigentlich nicht hin soll oder es trennt unbemerkt altersschwache Kabelverbindungen. Wenn eine Motorwäsche durchgeführt worden ist, empfiehlt es sich, den Motorraum mit Schutzlack oder Motorplast einzusprühen (erhältlich in jedem Autozubehörladen).

Profis verschließen Ansaug- und Auspuffendrohr(e) mit – eventuell ölgetränkten – Lappen, um Kondenswasserbildung zu vermeiden. Nach dem Herausschrauben der Zündkerzen spritzen Sie etwas Motorenöl, wiederum mit Konservierungsölzusatz, in die Brennräume. Da der Motor während der Standzeit per Kurbel, über Keilriemen oder durch Schieben mit eingelegtem höchstem Gang ca. einmal per Monat durchgedreht werden sollte, erleichtert man sich diese Arbeit, indem man dazu die nur locker eingeschraubten Zündkerzen herausnimmt.

Falls die Stilllegung länger als ein halbes Jahr dauern soll, geht der in Oldtimersachen versierte Helmut Pless bei seinen Mercedes-Oldtimern mit Benzinmotor so vor: in den restlos entleerten Tank füllt er ein Gemisch aus 250 Millilitern des pflegenden Konservierungsmittels Pfinder AP 47/60 und etwa fünf Liter Kraftstoff. Dann bringt er den Motor mit dieser Mixtur kurz auf Betriebstemperatur und stellt ihn wieder ab. Nach Entfernen der Zündkerzen sprüht er mit einer dünnen Sonde, wie sie für die Hohlraumkonservierung verwendet wird, von seinem Zaubermittel durch die Kerzenöffnungen etwas in die Zylinder, anschließend durch den Lufteinlass auch in den gesamten Ansaugtrakt. Dann dreht er den Motor von Hand mehrfach weiter und wiederholt die Prozedur. Motoren älterer Baujahre bewegt er dabei mit der Andrehkurbel. Geht dies bei, jüngeren Baujahren nicht, bockt er ein Antriebsrad hoch, legt den ersten Gang ein und dreht den Motor mit dem Rad durch. Um jeglichen Rostansatz im Benzintank zu vermeiden, der sich später lösen und in die Treibstoffzufuhr geraten könnte, muss auch dieser mit dem gleichen Konservierungsgemisch ausgesprüht werden. Von der vielfach geübten Praxis, den Tank bis zum Rand mit Benzin zu füllen, muss in geschlossen Abstellräumen wegen der Gefährlichkeit dringend abgeraten werden. Außerdem ist ein über ein halbes Jahr gealterter Kraftstoff bei Wiederinbetriebnahme nicht zu empfehlen.

Gefrierschutz
Ganz gleich ob kalter oder warmer Unterstellplatz, Ihr Fahrzeug sollte frostsicher sein (auch Heizungen können ausfallen!). Vergewissern sollte man sich also trotzdem, ob ein ausreichender Frostschutz gegeben ist. Eine Messspindel verschafft Gewissheit. Im Zweifelsfall befüllt man die gesamte Kühlanlage mit einer 50 zu 50 Mischung aus Frostschutzmittel und entmineralisiertem Wasser. Bei Motoren mit Magnesiumlegierungen, so rät der Fachmann, sollte das Kühlsystem zum Schutz des Metalls für eine längere Standzeit sogar mit einem 100-prozentigen Frostschutzmittel befüllt werden. Scheibenwaschanlage nicht vergessen!

Denken Sie auch an die Hauben- und Türscharniere (bei Cabrios zudem an das Verdeckgestänge), die Verteilerwelle, die Tür- und Tankschlösser sowie die Schließkeile, vergessen Sie nicht die Wischerachsen und das -gestänge, die Sitzschienen, den Fensterhebemechanismus usw., eben alles, was der Pflegeplan Ihnen zur regelmäßigen Wartung empfiehlt, einschließlich der Behandlung aller Gummidichtungen,

Vorbeugend sollte die Heizungsanlage auch im Sommer gelegentlich mal aktiviert und die einzelnen Betätigungselemente dabei mehrmals hin- und herbewegt werden, um Gestänge und Ventile beweglich zu halten. Geht dennoch nichts mehr, ist Gewaltanwendung der falsche Weg. Rostlöser oder Haushaltsessig wirken hier oft Wunder. Schon nach kurzer Zeit lassen sich dann die Regulierteile abbauen, zerlegen und wieder gangbar machen.

Der alte Kutscherspruch, dass gut fährt, wer ebenso schmiert, hat bis heute Gültigkeit. Bei dieser Gelegenheit schadet ein Blick auf eventuell festgerostete Seilzüge nicht. Auch hier wirken ein paar Tropfen Öl wahre Wunder. Wenn Seilzüge schwergängig oder gar festgerostet sind, hilft oftmals – wenn der Zahn der Zeit nicht schon zu sehr an ihnen genagt hat – sie auszuhängen, einzufetten und solange von Hand in der Hülle hin- und herzuziehen, bis sie wieder leichtgängig sind. Anderenfalls bleibt nur, sie zu erneuern.

Getriebe
Wenn während der Überwinterung Öl aus dem Automatik-Getriebe austritt (in geringen Mengen), so ist das völlig normal und in gewisser Weise erklärlich: Dichtungen ziehen sich bei Kälte, also bei Nichtgebrauch des Fahrzeugs – zusammen und Flüssigkeit kann austreten. Sobald der Wagen seine Betriebstemperatur wieder erreicht, dehnen sich die Dichtungen aus und dichten folglich wieder ab. Mann kann natürlich auch das Getriebe neu abdichten, aber sehr teuer und aufwendig und nicht nötig, solange sich die Menge des austretenden Öls in Grenzen hält.

Bremsen
Zum Winterschlaf niemals die Handbremse anziehen. Wenn man es dann auch noch schafft, den Wagen ohne Betätigen der Fußbremse an seinen Ruheplatz zum Stehen zu bringen (notfalls durch Schieben), kann da schon mal nichts mehr Festrosten.

Batterie
Werden Batterien nicht gefordert, also Strom gezapft und wieder zugeführt, sterben sie einen frühzeitigen, vor allem aber lautlosen Tod. Es empfiehlt sich daher, sie während längerer Standphasen an ein Ladegerät mit „Erhaltungsladung“ zu hängen. Zudem trägt eine volle Batterie im Winterbetrieb erheblich zur Startbereitschaft betagter Motoren bei. Gegebenenfalls destilliertes Wasser nachfüllen

Bei längerer Stillegung sollte die Batterie ausgebaut und an einem trockenen und frostfreien Ort gelagert werden. Das Nachladen nach jeweils 3 Monaten nicht vergessen bzw. ein geeignetes Dauerladegerät verwenden.


Reifen – Soll man Aufbocken oder nicht?

Umstritten ist, ob man seinen SL/SLC während der Stilllegung aufbocken soll oder nicht. Aber wenn schon, dann wenigstens richtig! Um keine Schäden an der Unterseite des Fahrzeuges anzurichten, darf ein Rangier-Wagenheber nur an bestimmten Stellen angesetzt werden. An der Vorderseite des Fahrzeuges darf er nur unter dem verlaufenden Querträger unterhalb der Vorderachse angesetzt werden. Zum Anheben der Rückseite des Fahrzeuges den Wagenheber unter die Mitte des Mittelstücks der Hinterachse untersetzen. Es geht natürlich auch mit dem Bord-Wagenheber.

Die Böcke sollten in keinem Fall im Bereich der Schweller untergestellt werden. Hier hat schon mancher im Frühling eine böse Überraschung erlebt. Sie gehören vorne unter den Rahmen und hinten an den Gummisilent-Blöcken der unteren Querlenker. Legen Sie zwischen Unterstellbock und Rahmen ein Stück Holz. Federn und Reifen sollen nur entlastet werden, aber nicht völlig in der Luft hängen.

Die Anschaffung eines Satzes Stahlfelgen mit abgefahrenen Reifen (beim Schrotthändler oder Altreifenverwerter) scheint da da die bessere Lösung, denn zusätzlich hat man dadurch die Möglichkeit, die guten Alufelgen und Sommerreifen geschützt einzulagern (und zu pflegen) und einem Austrocknen der Reifen vorzubeugen.

Viele SL/C-Besitzer beschränken sich darauf, den Reifen-Luftdruck um ca. 1,5 bar zu erhöhen. Auch damit lassen sich Standplatten weitestgehend vermeiden oder verschwinden wenigstens nach der ersten längeren Fahrt im Frühjahr.

Weitere Tipps
Rostflecken sollte man entweder sofort behandeln, solange die Außentemperaturen noch deutlich im Plusbereich liegen oder aber erst wieder im nächsten Frühjahr – es sei denn, man hat eine beheizte Garage.

Motten, Ratten, Mäuse oder Marder gibt’s überall. Eine Mausefalle ist allemal billiger als eine angenagte Innenausstattung. Denn damit diese nicht muffig wird, sollte man die Scheiben etwas geöffnet lassen, genauso wie die Kofferraumhaube.

Wenn man den Boden unter dem Fahrzeug mit z. B. alten Zeitungen auslegt, sieht man, ob und wo während der Standzeit irgendwelche Flüssigkeiten austreten, mithin vor der nächsten Ausfahrt für Abhilfe gesorgt werden muss.

Die Anschaffung einer Komplettabdeckung aus Baumwolle kann sinnvoll sein. Einerseits ist das gewachste und versiegelte Fahrzeug gegen jeglichen Schmutz geschützt und braucht im Frühjahr nur entstaubt zu werden. Andererseits wird dadurch der eine oder andere Kratzer vermieden, so man die Garage noch für andere Zwecke außer 107-Überwinterung nutzen will oder muss. Ungeeignet sind Zeltplanen oder Plastikfolien, da sich darunter Kondenswasser bildet, von Kratzern im Lack usw. einmal ganz abgesehen. Notfalls tun es auch ein paar alte Leinen-Betttücher.

Klimaanlage
Besitzer, die eine Klimaanlage in ihrem SL/C haben, stehen vor einem eigentlich unlösbaren Problem: Die MB-Betriebsanleitung wie auch die Klimaanlagenhersteller empfehlen, etwa alle 4 Wochen die Klimaanlage mindestens 5 Minuten zu betreiben. Tut man’s, ist das der Motorlebensdauer abträglich, tut man’s nicht, können Dichtungen in der Klimaanlage austrocknen, was wiederum kostspielige Reparaturen derselbigen zur Folge hat.

Einziger Ausweg: man verzichtet aufs Abmelden bzw. auf ein Saisonkennzeichen (oder leiht sich rote Nummern aus) und nutzt schöne, trockene, frost- und salzfreie Tage – die gibt’s immer wieder mal im Winter -, um das Auto – mit eingeschalteter Klimaanlage natürlich – dann gleich richtig Warmzufahren, ehe man’s wieder in die Garage stellt.

© Hans Markus Wellers
Quellen: MB-Clubzeitschrift, Markt-Automobil-Spezial