Sanierung hintere Stossstange SLC

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Mein 280SLC war mit einer Anhängekupplung (original 1900kg abnehmbar), dem sog. Metzgerhaken, ausgestattet. Nachdem das Automatikgetriebe überholt wurde sollte zur besseren Montage auch die Auspuffanlage raus genommen werden. Nebenbei wurde sie durch eine Edelstahlanlage ersetzt.

Nun ist das Austauschen der Auspuffanlage mit Hosenrohren (die unlösbar in Auspuffanlage eingerostet sind) nur durch Demontage der AHK möglich, die wiederum nur nach Demontage der Heckstoßstange.

Hat sich hier jemand Gedanken um die Montage / Demontage bei Daimler gemacht, oder wittert man hier fette Kohle für die Werkstätten (Cost of ownership)? Beim W123 ist das absolut Schrauber-freundlich und auch noch optisch schöner gelöst worden. Ist der nur die Weiterentwicklung des W107?

Nun lag die Stoßstange vor mir, ebenso der Winter und Weihnachten. Erstere wurde saniert, der Winter war für die abgefrorenen Finger zuständig und Weihnachten für die Sanierungskosten kostenmäßig ideal.

 

Status vorher, mit AHK und eigentlich gut aussehender Heckverkleidung
Von außen war die Heckstoßstange nicht sanierungsbedürftig, nix mit braunen Auswüchsen, ohne Winterbetrieb seit 1981, dem Baujahr. Von daher habe ich mir nicht viel Arbeit erwartet, ebenso wie an der vorderen Stoßstange, die lediglich ein VA-Schraubengrab darstellte.

Nun ja, erst mal die Gummistoßstange mit den 2 M8 Muttern lösen. Leider fest gerostet und daher durchdrehen im Gummi. 2 Wochen einwirken mit Caramba haben auch nicht zum Erfolg geführt. Mit der kleinen Flex habe ich die Mutter mit 2 Schnitten unter 30° parallel zum Bolzen aufgeflext. Hilfreich war hier eine dünne Flexscheibe mit 1mm, damit wird das Metall nicht so heiß dass sich der Gummi auflöst. Die Mutter fällt dann wie von alleine runter. Gummileiste abgezogen und viel Arbeit gesehen.

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mit demontierter Heckverkleidung

Die Blechschrauben bis zur Unkenntlichkeit verrostet, die beiden Seitenteile leider im Aufnahmebereich übel zugerichtet. Ich habe mich hier nur gefragt, wie kann so etwas passieren, nach erst 23 Jahren und ohne Winter? Hier habe ich wirklich am 107er gezweifelt und von einer totalen Fehlkonstruktion der Stoßfänger gesprochen. Blech über Blech mit Spalten im Spritzwasserbereich. Bereits erwähnter W123 mit 22 Jahren und 22 mal Winterbetrieb zeigte weniger Rost.

Problem 2 = Problem 1 = Rost an Schraube. Wie bekommt man Blechschrauben ohne Kopf auf? Um die Seiten- und Mittelteil der Heckstoßstange runterzuschrauben müssen alle Schraubverbindungen gelöst werden. Blechschrauben und M8 Schraubverbindungen. Meine Lösung: kleine Flex mit dünner Scheibe. Daimler hat unter die Schrauben Beilagscheiben gelegt. Man kann mit der dünnen Flexscheibe den restlichen Schraubenkopf wegflexen.

Achtung: nicht abrutschen oder schräg schneiden, der Chrom ist gleich daneben! Auch Klebeband ist sofort durch! Also alle Schrauben aufgeflext und das Teil zerfällt in die Einzelteile. Nur jetzt stecken noch die Blechschraubenreste in dem Stoßstangenträger. Mit einem Seitenschneider sehr guter Qualität von innen habe ich die meisten rausdrehen können, aber nicht alle. Bei den restlichen mit der Flex von oben weiterschneiden, bis der Seitenschneider das Teil rausdrehen kann. An Einzelteilen waren nun Träger Seitenteil links / rechts, Träger Mittelstück, Beplankung Seite links / rechts und Mitte, Chromteile links / rechts und Mitte, 2 Chromabdeckungen und Gummileiste. Fazit: Beplankung re / li erneuern wegen Rost an Anschraubpunkten, Beplankung Mitte neu (wegen Entfall AHK), Träger Mittelstück wie neu, Seiten stark verrostet.

Die Trägerseitenteile habe ich Sandstahlen, chromatieren und Kunststoffbeschichten lassen. Die Chromteile wurden gesäubert, innen entrostet wo notwendig und innen komplett mit Kunstharzfarbe gestrichen. Die trocknet zwar ewig nicht, ist aber sehr elastisch und hat sich im W123 auch schon bestens bewährt. Die Beplankung wurde durch Alu-Teile ersetzt. Der Kilopreis ist zwar exorbitant, dafür ist zumindest der braune Rost nie mehr wieder zu sehen. Lackiert wurde an einem schönen Wintertag im Freien ohne Fliegen und Staub.

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Montage der Heckverkleidung mit Edelstahlschrauben

Zusammenbau: Alle Schrauben wurden durch Edelstahlschrauben ersetzt. Bei den M8 gibt es DIN Schrauben, schwierig wird es bei den beiden Schlossschrauben an den Chromecken. Ich habe hier sog. Becherschrauben aus VA verwendet. Sie haben einen Schlitz zum Festhalten anstelle des Vierkants und einen großen Kopf (siehe auch Foto). Für die Seitenteile mit den M6 Schrauben habe ich mir passend zum Aluminiumwerkstoff auch Alu-Schrauben und Muttern besorgt (gibt es bei Dehner). Eher eine Spielerei.

Beim Zusammenbau habe ich zuerst alle Teile mit Mike Sanders Fett eingestrichen, besonders an den Stellen, die Überlappen. Also, den Träger mit Chrom zusammengeschraubt, aber nur leicht angezogen. Diesen Baustand habe ich dann ans Auto montiert. Absolut windschief der erste Versuch. Nachdem die Schraubverbindungen noch beweglich waren, konnte mit dem Handballenschlag die Stoßstange sauber eingerichtet werden. Wird alles zusammengeschraubt, passt es sicher nicht und die Arbeit beginnt von vorne (ist mir leider bei der vorderen Stoßstange passiert, in der Euphorie des Zusammenbaus). Stoßstange runter und Seitenteile ran. Unter die Blechschrauben habe ich Edelstahlbeilagscheiben gelegt. DIN 9021 für M4 passen wunderbar, zentrieren sich gut an der Schraube und sind groß genug, um das Langloch am Chromteil oder Seitenteil abzudecken. Nun waren aber etliche Löcher für die Blechschrauben 4.8x13mm zu groß.

Durch die unsanfte Montage waren die Bohrungen aufgeweitet. Größere Blechschrauben 5.5x13mm wollte ich nicht nehmen, da die Langlöcher an Seitenteile und Chromteile dafür zu klein sind. Was nun? Ich habe mir Blechmuttern für die 4.8er Schraube besorgt. Das Oberteil habe ich weg gebrochen, nur das Unterteil mit der Klemmung war mir wichtig. Die Bruchstelle entgratet und ein dickes Klebeband besorgt. Damit habe ich die Blechmutter auf der Seite zum Träger beklebt. Vor der Montage dick mit Fett bestrichen. Einwandfrei.

Zwar wird die Blechmutter irgendwann rosten können, mit Fett und Klebeband sollte der Rost vom Träger isoliert bleiben (siehe Foto). Wichtig ist noch, die Bohrung für die M8 er Schraube der Gummistoßleiste zu beobachten. Hier treffen sich Chrom, Träger und Seitenteile mit einer 8er Bohrung. Schraubt man alles einfach zusammen, passt am Schluss diese Schraube nicht mehr und das Ziel im Auge beginnt man von vorne (woher ich das nur weis? Erfahrung…). Alles Blech zusammengeschraubt bleibt noch der Gummistoßfänger. Den bis in die letzte Ritze innen zu säubern ist eine Sträflingsarbeit.

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Detail von innen: ausgerissene Blechschraube weil Bohrung zu groß; stattdessen „modifizierte“ Blechmutter

Mit Wurzelbürste und Waschmittel geht es, hier sind Gummihandschuhe zu empfehlen. Den Gewindebolzen nachgeschnitten, damit auch die M8 Mutter wieder flutscht. Vor dem Aufziehen innen dick mit Fett bestreichen. Beim Daimler Händler noch 4 Moosgummiunterlagen für die Montage an der Karosse besorgen und dann steht der kleinen Hochzeit nichts mehr bevor.

Eine Heckstoßstange schnell in einem Wochenende zu sanieren ist wohl schwer zu machen. Die Tücke steckt mal wieder im Detail.

Um die nun neuwertige Heckstoßstange zu schützen bin ich dran, am Radhaus unten eine kleine Kunststoffradhausschale zu bauen. Am Unterboden soll ein Alublech abdichten. Damit soll die Heckstoßstange vom Spritzbereich des Rades geschützt werden.

Nun das Ergebnis überzeugt, auch der Entfall Metzgerhaken ist optisch eher ein Glücksgriff.

Alfons Steinbach

heck107e  Fertig, nur der Auspuff hängt noch leicht schief ….