Plädoyer für den420 SL

Der 420er ist eine gute Wahl

von Harald Pfeiffer

Die V8-Motoren im 107er (nicht im 129er usw.) stammen ja letzlich alle vom ersten 3,5l M116 ab (M116 steht für Motor(baureihe) 116). Das ist der, welcher im W108, 109 und 111 seine Premiere hatte und erstmals SL mit V8 kombinierte. Natürlich auch verbaut in den SL C-Typen, welche heute selbst von Kennern und Sammlern immer noch unterschätzt und verkannt werden. Aber: der SLC kommt – garantiert.

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Neben dem M 116 3,5 L gab es den „big block“ M117 mit 4,5 l Hubraum. Hier ist also zu unterschieden. Der gusseiserne M116 3,5er mit ursprünglich D-Jetronik, später K-Jetronik entwickelte sich in Leichtmetallausführung zum 3,8 l (halte ich für sehr empfehlenswert). Ausgehend vom 3,8er entstand der 4,2 l mit KE-Einspritzanlage. Somit repräsentiert der 4,2 l den M116 im höchsten Entwicklungsstand. Was zwar nicht grundsätzlich der Fall ist, für den 4,2 l aber sicher zutrifft, ist, dass mit dem höchsten Entwicklungsstand auch ein entsprechender Reifegrad verbunden ist. Kurz gesagt: ein 420er bietet V8-Kultur, ist im Prinzip unkaputtbar und wartet dabei mit der schwäbischen Tugend höchster Sparsamkeit auf. Es gibt Gründe, die mich veranlassen würden, bei einem Leichtmetall M116 (also 3,8 und 4,2) nach Fahrzeugkauf den Kettenspanner und ggf. Gleitschienen auszutauschen. Dann ist das eine runde Sache.

Ein 420er lässt sich selbst in der Limousine mit 10-12 L/100 km fahren – wenn man/frau es nicht eilig hat.

Die 450er (gusseisern und Ballermann acht pur, mit D-Jetronik oder K-Jetronik) und die 500er und 560er (letztere in Leichtmetallausführung mit K-Jetronik oder KE) basieren wie gesagt auf dem „big block“, weshalb diese eine eigenständige Motorbaureihe 117 bilden. Natürlich einen Super Sache, ein M117, aber nicht unbedingt besser als ein M116. Wieso auch.

Ich finde, das Ganze ist auch eine philosophische Frage. Der 3,5er war in den Siebzigern die Top-Motorisierung (vom 6.3er M100 abgesehen). Vom 111er Coupé (220 SEb bis 280 SE Coupé 3,5) erzielen heute die 3,5er die mit Abstand höchsten Preise. Nun soll mir mal einer erklären, warum ein 350 SL oder SL C gegenüber einem 450er, 500er oder 560er ein Schattendasein führt. Ist ein 3,5 l V8 (das ist ja schließlich etwas hochkarätiges!) nicht mehr gut genug, nur weil es einen 4,5 l gibt? Ist der 4,5 l nur so lange gut, bis es einen 500er gibt? Ist der 500er noch eines Blickes würdig, wenn es doch auch einen 560er gibt?

Frei nach Wilhelm Busch: und ist der eine Wunsch erfüllt, so kriegt er augenblicklich Junge…

Diskussionen um Motorisierungen und deren technischen Inhalte sind nicht selten von Prestigewerten beeinflusst. Natürlich hat auch eine Top-Motorisierung einen besonderen Reiz. Rationale Überlegungen, die es selbst bei einem im Grunde nicht an wirtschaftlichen Maßstäben ausgerichteten Hobby geben darf/muss, werden auch Kaufpreise und Wiederverkaufswerte berücksichtigen.

Fazit: einen guten 420er zum passenden Preis kann man mit gutem Gewissen ruhig kaufen. Er ist ausgesprochen wirtschaftlich und zuverlässig. Der Kaufpreis sollte etwas günstiger sein als der eines gleichwertigen 500ers, weil dessen Wiederverkaufswert einfach etwas höher ist. Die Serien- und Sonderausstattungen sowie der eigene Geschmack (Farbe usw.) werden dir deine Kaufentscheidung erleichtern.