Die Qual der (Motoren-)Wahl

von Oliver Klug

Nachdem ich im Laufe der Jahre die meisten der in den 70er und 80er Jahren angebotenen Mercedes-Modelle  gefahren habe, werde ich immer wieder gefragt, welche Motorisierung denn nun besonders zu empfehlen sei. Im Folgenden habe ich daher einmal versucht, meine persönlichen Erfahrungen, die natürlich höchst subjektiv sind, wiederzugeben:

280, M280otor 110, 19 74 -85, 177 – 185 PS,
Verbrauch 11 – 15 Liter
Je nach Sichtweise: Kerniger Sound oder rauer Geselle. Auffallend wenig Leistung im unteren Drehzahlbereich, dafür ziemlich laut. Fährt mit manuellem Handschaltgetriebe durchaus sportlich. Mit der – dennoch empfehlenswerten. Automatik dagegen eher schlapp, wenn man nicht bei Bedarf per Hand eingreift. Viele Motoren machen auch bei nachweislich eringem Kilometerstand undefinierbare Geräusche, laufen aber prima. Andere klingen gut und laufen trotzdem schlecht. Mit Schubabschaltung ab September 1981 spürbar sparsamer.

 

300, Mo300tor 103, 1985-89, 180-188 PS,
Verbrauch 9 – 13 Liter
Die mit Abstand laufruhigste und wirtschaftlichste Variante, einen 107er zu bewegen. Im Stand ist der Lauf dieser Maschine eigentlich nur am Drehzahlmesser zu erkennen. Problemlos und kostengünstig auf Euro 2 nachrüstbar (Kaltlaufregler). Interessanter Weise läuft der baugleiche Motor in den Mercedes-Modellen W124 (E­Klasse) und W126 (S-Klasse) unvergleichlich spritziger.
Im unteren Drehzahlbereich ebenfalls etwas zäh, aber dennoch – insbesondere mit Automatik – sehr empfehlenswert.

380

350, Motor 116, 1971-80, 195-200 PS,
Verbrauch 15 – 22 Liter
Welch ein Säufer! Abseits der Tankstelle macht er den­
noch viel Spaß: Klingt toll und ist ausgesprochen dreh­ freudig. Angenehm gleichmäßige Kraftentfaltung über den gesamten Drehzahlbereich. Allerdings schluckt die alte 3-Gang Automatik (Schalter war Serie) spürbar Leistung. Gilt gemeinhin als „unkaputtbar“.
380, Motor 116 E 38,1980-81,218 PS,
Verbrauch 13-18 Liter
1981-85,204 PS, Verbrauch 10-13 Liter
Tolle Kraftentfaltung aus sehr niedrigen Drehzahlen heraus. Ab Herbst 1981 mit 204 PS sogar ein echtes Spritsparmodell. Fährt stets im 1.Gang der serienmäßigen Automatik an und entwickelt dabei „Brachialgewalt“ (It. Zeitschrift „Auto-Motor-Sport“). Gefühlsmäßig fährt der 380 deshalb sogar kräftiger als der 500er! Allerdings wurden relativ wenige Fahrzeuge dieses Typs verkauft, und damit ist das Angebot eher klein.

420, Motor 116 E 42,1985-89,204-218 PS, Verbrauch 11-15 Liter
Eigentlich die technische Weiterentwicklung des 380er. Warum hat er aber jeden Biss verloren? Kaum bessere Fahrleistungen als der 300er, aber einen Verbrauch wie der 500er. Wer den Schriftzug auf dem Heckdeckel lässt, wird bei allen 107er-Treffen angesprochen. Der 420 SL ist die weltweit seltenste Variante

450, Motor 117, 1973-80, 217-225 PS, Verbrauch 16-22 Liter
Technisch und optis ch mit dem 350erweitgehend gleich , leider auch beim Verbrauch. Leistungsmäßig dem 350er deutlich überlegen. Subjektiv liegen weit mehr als 20-30 PS dazwischen. Hat bereits bei niedrigen Drehzahl en mächtig Dampf. Die Produktionszahlen täuschen ein großes Angebot vor: Nur wenige SL und noch viel weniger SLC vom Typ 450 sind übrig geblieben.

500, 500Motor 117 E 50, 1978-89, 223-245 PS, Verbrauch 12-20 Liter im Roadster als 500 SL zu haben. Das Spitzenmodell.
Läuft auch aus heutiger Sicht noch ausgesprochen agil. Wer im SL/ SLC einen Sportwagen sieht, kommt am 500er nicht vorbei. Braucht man eigentlich nicht, macht aber viel Spaß. Unverbastelte Originale sind leider nur noch schwer zu bekommen. Spürbar sparsamer ab Oktober 1981. Verliert mit Kat-Einbau angeblich 20 PS. Zu spüren ist das (gottlob) nicht.