Tempomat Kondensator tauschen

Kondensatortausch beim Tempomatsteuergerät 005 545 05 32 von Harald Schmitt (Harry500) #2603

Vielleicht hat schon der Eine oder Andere von der heilenden Wirkung des Kondensatortausches bei Tempomatsteuergeräten gehört. Ich möchte das Thema mit diesem Artikel etwas beleuchten.

Zu Beginn möchte ich darauf hinweisen, dass alle hier gemachten Angaben und Aussagen ohne Gewähr sind. Bei Schäden jeglicher Art, die durch die Nachahmung der hier beschriebenen Tätigkeiten entstehen, übernehme ich keine Haftung. Wer das nicht akzeptiert, hört hier bitte auf zu lesen. Ich möchte auch niemanden dazu animieren, selbst an einem Bauteil herumzumanipulieren, das aktiv in das Fahrgeschehen eingreift. Ebenfalls sind die von mir vorgeschlagenen Bauteile keine Originalteile des Herstellers, eine Verwendung der Selben geschieht in eigenem Risiko. Der Artikel richtet sich an solche 107er Freunde, die sich bei einer eventuellen eigenverantwortlichen Nachahmung aufgrund ihrer Ausbildung sicher sind, was sie tun. Auf ESD-Schutzmaßnahmen bei der Handhabung des offenen Gerätes werde ich wahrscheinlich nicht mehr hinweisen müssen.

 

In diesem Artikel wird der Kondensatortausch des Steuergerätes 005 545 05 32 (Hersteller VDO) behandelt. Es handelt sich hier um die Mikroprozessorgesteuerte Variante, die laut WIS-CD ab 01/87 eingebaut wurde. Zu erkennen ist die Mikroprozessorvariante an dem Codierstecker, der bei den analogen Systemen nicht aufgesteckt ist.

Vorgeschichte: Bei dem Erwerb meines 107ers im Jahre 2003 war die Geschwindigkeitsregelanlage ohne Funktion. Mir als ‚Elektrokomiker' war das recht, da solche Mängel in der Regel zur Kaufpreisminderung führen und einfach zu beheben sind. Das war aber bei der Kaufpreisminderung in meinem Fall nicht so, der Verkäufer war sich seiner Sache sicher und ich hatte meinen Verstand abgeschaltet. 

Als das gute Stück nun in der heimischen Garage stand und auch schon die ersten Kilometer mit mir unbeschadet hinter sich hatte, ging es ihm an den Kragen, bzw. unter das Armaturenbrett. Mit der WIS-CD bewaffnet, hatte ich erst mal die Sensorik und die Aktoren überprüft. Da lies sich kein Fehler feststellen, also musste das Steuergerät einen Fehler haben. Dazu habe ich in meiner Werkstatt bei ausgebautem Modul die Sensorik (Schalterle und Tachosignal) simuliert und die Aktoren habe ich durch 2W Instrumentenlämpchen ersetzt. Siehe da, das Steuergerät tut nicht das, für was es gebaut wurde.

Ich hatte damals bei der Recherche nach einem Schaltplan für das Steuergerät eine japanische Website gefunden, in der der Kondensatortausch auf japanisch beschrieben wurde. Leider hatte ich sie nicht abgespeichert, nur das Wissen um die ominösen Kondensatoren blieb mir.

So öffnete ich das Steuergerät und lötete von jedem Kondensator einen Pin aus, um mit einem Kapazitätsmessgerät den Wert und Güte zu bestimmen. Zu meiner Verwunderung konnte ich damals keine größeren Abweichungen messen. Also wieder eingelötet und nochmals probiert. Eigenartigerweise funktionierte nun das Steuergerät auf dem Tisch. Also raus in die Garage, geschwind eine Runde gedreht und siehe da: es tempomatet wieder! Ich hatte mir keine weiteren Gedanken mehr über die Sache gemacht. Da ich auch die Steckverbinderlötstellen prophylaktisch nachgelötet hatte, vermutete ich die Ursache eben dort.

Damit bin ich nun 2 Jahre gefahren, ohne das der Tempomat nochmals auffällig geworden wäre. Jedoch in diesem Winter, bei Minusgraden und herrlichstem Sonnenschein wollte ich mich chauffieren lassen, das Hebelchen hinter dem Lenkrad mit einem breiten Grinsen im Gesicht souverän gelupft. Doch oh Graus, der Tempomat pumpt und das Ecometer spielt Ping-Pong. Wie ein Fahranfänger, der noch Probleme mit dem ruhigen Gasfuß hat. Das breite Grinsen wich schlagartig einer abgestürzten Kinnlade. Abgeschaltet, nach ein paar Minuten noch mal probiert, dann ging gar nichts mehr.

Da mir doppelte Arbeiten überdrüssig sind, habe ich mich der Sache diesmal nun richtig angenommen.

Diesmal wollte ich die Kondensatoren messen, ohne vorher gelötet zu haben. Ich hatte eine mögliche Restfeuchtigkeit in Verdacht, die ja beim Löten durch die Löttemperatur verdampft. So schnitt ich auf der Lötseite der Leiterplatte mit einem feinen Seitenschneider die Lötstelle möglicht nahe an der Leiterplatte ab. So gelang es mir, ohne Löten einen Pin jedes Kondensators freizulegen.

Bei der Messung der Kondensatoren ergaben sich überraschende Ergebnisse. So zeigten sich die Elektrolytkondensatoren in einem einwandfreien Zustand. Das sind die Kondensatoren, die normalerweise am schnellsten altern und öfters für Abweichungen sorgen. Weder die Kapazität, noch die Güte Q (Serien und Parallelwiderstände, auch parasitäre Widerstände genannt) boten Anlass zu Kritik. Als nächstes waren die Folienkondensatoren an der Reihe. Auch hier war alles beim Besten, bis auf den 1,5µF Kondensator. Hier war der Parallelwiderstand etwas niedrig, jedoch im Anwendungsfall eher unkritisch. Als letzte Prüfung waren die Keramikkondensatoren an der Reihe. Und hier lag meiner Meinung nach der Hund begraben. Manche Keramikkondensatoren wiesen Parallelwiderstände von unter 1 M( auf. In hochohmigen Filterschaltungen und Pässen führt das zur Verstimmung. Zur Bestätigung meiner Theorie hatte ich die Kondensatoren nach dem restlichen auslöten nochmals gemessen und deren Werte verbesserten sich dadurch deutlich. Ich entschloss mich jedoch, alle Kondensatoren zu tauschen.