Spiel in der Lenkung

am Beispiel 450 SLC 5.0

 Profi-Tipp -  Meist ist Spiel in der Lenkung auf Verschleiß im Lenkgetriebe zurückzuführen. Um dies zu diagnostizieren empfehle ich, zunächst zu prüfen, wie groß der Leerweg am Lenkrad ist, bevor am Lenkstockhebel eine Drehbewegung sichtbar wird.

 Somit kann man schon mal eingrenzen, ob das Spiel am Lenkgestänge und der Radaufhängung entsteht (unwahrscheinlich) oder ob das Spiel schon vor diesen Übertragungsteilen vorhanden ist (höchst wahrscheinlich). Der Lenkstockhebel ist der auf der verzahnten Welle am Ausgang des Lenkgetriebes befestigte Hebel, an welchem die Spurstange zum linken Rad und die Lenkstange, der Verbindung zum Lenkzwischenhebel am rechten Längsträger, befestigt sind. Für die Prüfung braucht man eine 2. Person. Man sollte die Prüfung übrigens bei laufendem Motor vornehmen, da ohne die Servo-Unterstützung einerseits ein Klackgeräusch zu hören ist, das selbst neue Lenkgetriebe verschlissen wirken lässt. Zudem ist mit der Servo-Unterstützung effektiver zu beurteilen, wie sich das Spiel im Fahrbetrieb bemerkbar macht.

 Eine weitere mögliche Ursache für das  Problem ist die Lenkungskupplung (möglich, aber nicht wahrscheinlich). Das ist die  Verbindung zwischen der Lenkspindel und  dem Lenkgetriebe und hat somit Einfluss  auf die Übertragung der Lenkradbewegung  auf das Lenkgetriebe. Die Lenkungskupplung besteht aus Ober- und Unterteil, welche miteinander vernietet sind (ab 06/73).  Eine Sichtprüfung gibt Aufschluss über den  Zustand der Verbindung zwischen Ober- und Unterteil. Dazu bewegt eine Person das  Lenkrad hin und her, während die zweite  Person Ober- und Unterteil hinsichtlich  Spielfreiheit beobachtet.

  Sind die Buchsen  ausgeschlagen oder sonst defekt (Bremsflüssigkeit und Gefrierschutzmittel zersetzen die Kunststoffbuchsen, sagt die Literatur), muss die Lenkungskupplung erneuert werden. Das Teil sitzt unmittelbar vor dem Lenkgetriebe und ist vom Motorraum aus zugänglich. Ob man beim 500er eher von oben oder von unten dran kommt, musst man sich ansehen. Alle Gelenke des Lenkgestänges und der Vorderachse gehören geprüft. Dazu auch der Lagerung des Lenkzwischenhebels. Das ist der Hebel, welcher am rechten Längsträger (bei Rechtslenkerfahrzeugen am linken Längsträger) in einem angeschweißten Rohr gelagert ist. Zur Prüfung den Hebel nach unten ziehen und nach oben drücken. 

 Bei spürbarem Spiel muss die Lagerung neu ausgebüchst werden. Dazu gibt es einen Reparatursatz. Man benötigt aber ein Sonderwerkzeug, um die alten Buchsen aus dem Rohr herausziehen zu können. Diese Buchsen sind übrigens oft die Ursache für ein knarrendes Geräusch beim Lenken, bevorzugt bei trockenem Wetter. Denkbar ist auch die Befestigung des Lenkgetriebes am Längsträger. Also prüfen, ob der Längsträger in Ordnung ist (Korrosion) und ob die drei Befestigungsschrauben fest sind.

 Zuletzt prüft man noch am Vorderachsträger die Schweißnähte der Konsolen für die Lagerung der unteren Querlenker.

  Nach den mehr oder weniger theoretischen Möglichkeiten zurück zu unserem Hauptverdächtigen, dem Lenkgetriebe:

  Prinzipiell ist das im 450 SLC 5.0 verbaute Lenkgetriebe nachstellbar. (Radio Eriwan: im Prinzip ja, aber..). \"Aber\" deswegen, weil man, wenn man nach Daimler-Benz Vorschrift arbeitest, ein Spezialwerkzeug namens Reibwertmesser bräuchte. Dieses Werkzeug besteht aus einer 1/2-Zoll Aufnahme für eine Stecknuss, welche dann auf die Mutter gesteckt wird, mit der das Lenkrad auf der Lenkspindel befestigt ist. Die Verlängerung von der Stecknuss ist in einem Alu-Drehteil gelagert, welches zur Führung des Werkzeuges in der Öffnung im Lenkrad dient.

 Mit der Öffnung ist  das Loch nach dem Herausnehmen der Plakette mit dem Mercedesstern in der Mitte des Lenkrades (Ausführung ohne Airbag) gemeint. Am Ende der Verlängerung ist ein Drehmomentschlüssel angebracht, mit Hilfe dessen dann die Lenkung nach links und rechts eingeschlagen werden kann. Bei dem Drehmomentschlüssel handelt es sich um so einen, der die Durchbiegung des Hebels mittels Zeiger auf einer Skala anzeigt. Voraussetzung für die Reibwertmessung ist, dass die Spurstange und die Lenkstange am Lenkstockhebel ausgebaut sind, da nur das Lenkgetriebe alleine durchgedreht wird.

  Das Werkzeug funktioniert nun so, dass die Kraft, genauer gesagt das Drehmoment, welches zum Durchdrehen erforderlich ist, gemessen und angezeigt wird. Dieses Reibmoment sagt etwas über die Leichtgängigkeit und damit über das Spiel aus.

 Nach der Messung zur Einstellung: am Lenkgetriebe oben ist eine Inbusschraube angebracht, weiche durch eine Sechskantmutter gekontert ist. Nach dem Lösen der Mutter wird nun die Inbusschraube so weit herausgedreht (jawohl, nicht hinein, wie man meinen könnte) bis das zum Beginn der Messung geringe Reibmoment auf den maximal zulässigen Reibwert angestiegen ist.

 Dazu muss mehrfach gemessen, sprich mehrfach die Lenkung mit dem Reibwertmesser von Anschlag zu Anschlag gedreht werden. Hättest Du so ein Werkzeug, so würdest Du feststellen, dass der Reibwert in Mittellage der Lenkung deutlich geringer ist, als in den äußeren Bereichen. Ist eigentlich logisch, da die Lenkung um die Mittellage am meisten verschleißt, denn die äußeren Bereiche werden ja nur wesentlich seltener gebraucht.

 (Geradeausfahrt, Spurwechsel und Kurven kommen nun mal häufiger vor als Einparken oder Wendemanöver). Ist der maximal zulässige Reibwert eingestellt, (Mutter wieder kontern!) so wird dieser in den äußeren Bereichen erreicht, jedoch um die Mittellage ist der Reibwert geringer und somit das Spiel dort größer.

 Ein kapitaler Fehler wäre es, das Lenkgetriebe in der Mittellage auf den maximal zulässigen Reibwert einzustellen, denn dies würde zwangsläufig zum Klemmen der Lenkung in den äußeren Bereichen führen. Das ganze geht zwar mit Gefühl und Erfahrung auch ohne das beschriebene Werkzeug, indem man sich durch Herausdrehen der Inbusschraube in 1/6tel-Schritten an die Einstellung herantastet, bei der einerseits das Spiel in der Mittellage abnimmt, andererseits aber ein Klemmen mit Sicherheit ausgeschlossen ist. Aber nicht vergessen: die Lenkung gehört ja zu den wichtigsten Sicherheitsteilen und ist somit für Experimente in der heimischen Garage nicht geeignet.

  Zusammenfassung:

 Ursache wie beschrieben lokalisieren. Wenn sich das Lenkgetriebe als Ursache herausstellt, frag in der MB-Werkstatt nach, ob die Lenkgetriebe prinzipiell einstellen. (Falls man das Werkzeug ausleihen kann, muss man sich auch die Einstell- und Drehmomentwerte besorgen). Der Erfolg der Einstellung hängt natürlich vom Ausgangszustand der Lenkung ab. Das Ganze ist im Vergleich zum Tausch der Lenkung nicht teuer und daher einen Versuch wert. Nach dem Einstellen das Spiel in der Mitteillage beurteilen. Bei zu großem Spiel muss das Lenkgetriebe getauscht werden. Ist das Spiel zwar nicht wie bei einem Neuwagen, aber akzeptabel, kann eine weitere Nachstellung nach einer Fahrstrecke von 10.000 - 20.000km eine nochmalige Verbesserung bringen. 


Tipp zum Lenkungsdämpfer:


 

Der Lenkungsdämpfer darf eigentlich gar kein Spiel haben. D. h., wenn ausgebaut oder einseitig gelöst: Beim Hin- und Herbewegen darf kein Leerweg spürbar sein.

 

 Vermutlich ist Leerweg häufig der Fall, wird sich aber nur selten spürbar auswirken.

Quelle: Technik-Lexikon