eine kleine humorvolle Anleitung von KJE
Da dem Verfasser das hitzige Geschehen von beiden Seiten des Tresens (und der Kasse) aus eigenem Erleben geläufig ist, fühlt er sich berufen das Thema ohne Schwimmweste und Geleitschutz anzugehen. Eine Dose Nivea für die verwundeten Seelen auf beiden Seiten wird mitgeliefert…
Vor großen Taten im Leben erforscht man tunlichst sein Gewissen…, die Auseinandersetzung mit dem Phänomen Werkstattbesuch und dem sich fast zwanghaft einstellenden Ärger erreicht mühelos Dimensionen von Geburt, Heirat und Tod, daher ergibt (m-) eine Gewissenserforschung:
- Der Zweck eines Werkstattbesuches ist (meist) die Mühle irgendwie (billig) fahrfähig zu halten
- Der Zweck einer Werkstatt ist die Erzielung eines (möglichst großen) Gewinns
- Alle Beteiligten weigern sich standhaft diese Binsenweisheiten zur Kenntnis zu nehmen
- Bei Autoenthusiasten ist alles genau so - nur viel komplizierter!
Hm, und nu? Es wäre einfach, wenn es gelänge dem Gewissen etwa folgendes abzuringen:
- Der Zweck eines Werkstattbesuches ist das Auto geheilt und gestärkt vom Hof zu fahren
- Der Zweck einer Werkstatt sind zufriedene Kunden mit denen man Gewinne macht
- Alle Beteiligten haben das verinnerlicht und agieren entsprechend
- Mit Autoenthusiasten ist das alles sogar eine Freude!
Weil es zwar nicht so einfach ist, aber doch superzweckmäßig wäre, wenn es so wäre, lohnt es darüber nachzudenken, wie man dem Idealzustand zumindest teilweise näher kommt. Das Ergebnis (m-) einer Denkung erschließ sich durch lesen des folgenden Traktates. Im Grunde wäre alles nicht so schwer wenn da nicht noch ein paar lächerliche Probleme wären:
- Der Kunde hat keine Zeit und oft noch weniger Geld
- Der Kunde hat keine Ahnung was wirklich gemacht werden muss
- Die Werkstatt hat wenig Zeit, dafür um so mehr Kosten
- Die Werkstatt hat erst mal keine Ahnung was wirklich zu tun ist
Da sind dann noch so Kleinigkeiten wie:
- Einer hat gesagt, das ist nur eine "Kleinigkeit"
- Ein präziser Auftrag liegt nicht vor
- "Das Problem" hatten wir doch schon mal…?
- Der "das" kann, ist pensioniert/bei der Konkurrenz, oder macht was weniger dreckiges
- Und, "das" Problem hatten wir noch nie!
- Die Teile, die wir brauchen, sind morgen da - und werden dann garantiert falsch geliefert
- Das Auto wird immer kurz vor Feierabend fertig
- Der Abnahmemeister ist mit einem noch wichtigeren Kunden unterwegs
- Die Rechnung ist immer (viel) höher als erwartet
Dieses Minenfeld muss Mann/Frau nun irgendwie ohne Schweißausbruch und Mordgelüste durchqueren, wie das? Hier der Survival- Kit:
- Klare Entscheidung fällen, ich will "mein Auto" fachgerecht reparieren lassen
- Klare Erkenntnis, "watt nix kost' is auch nix"
- Sich schlau machen (Foren und Artikel lesen, man kann mit der Werkstatt auf Augenhöhe verhandeln)
- Eine Werkstatt wählen, die "meinen Typ" mindestens wöchentlich behandelt
- Was "hört man so" über die Werkstatt? – Es kann alles Unfug sein!
- Die Gebrechen des Autos schriftlich formulieren (dabei wird einem dann oft klar, daß man es der Werkstatt nicht leicht macht)
Nun kommt der schwere Gang (wie zum Zahnarzt oder zur Niederkunft…)
- Keine eigenen Teile mitbringen (hab' isch ganz billisch vom Ibäh)
- Bei Probefahrt mit Annahmemeister Problem erklären
- Vorgehen bei Reparatur/Wartung erklären lassen
- "Da müssen wir mal suchen" ist kein planmäßiges Vorgehen
- Ist die Diagnose plausibel?
- Wann wurde eine solche Arbeit zuletzt in dieser Werkstatt gemacht?
- Wer hat das gemacht, ist der noch da, kann man den anfassen?
- Verbindliche Kosten erfragen, 30% mehr einkalkulieren
- Luft holen
- Dokumentation der Arbeiten vereinbaren (Checklisten, Messprotokoll usw.)
- Behandlung von Altteilen vereinbaren
- Abnahme mit Probefahrt vereinbaren
- Vorgehen bei Nichtabnahme vereinbaren (Nachbesserung)
- Termin für Abnahme – am Morgen! – vereinbaren
- Präzisen Auftrag erteilen (Ggf. nur eine Diagnose beauftragen)
- Klar stellen, dass nur der Auftragsumfang bezahlt wird
- Um Rückruf bei "Überraschungen während der Arbeiten" bitten
- Auf dem Heimweg eine Kerze anzünden
Nun beginnt das bange warten, oder? Zumindest hat man sich Gedanken gemacht, und die Werkstatt weis das, das ist schon mal die halbe Miete!
Unerwartetes Erscheinen am Ort der Tat bringt oft unerwartete Erkenntnisse. Man kann sich dabei mit "deutlichem Akzent" anrufen lassen und von einem "Rest Beton" berichten lassen (man fordert dabei sehr bestimmt, dass keine Füße mehr rausschauen dürfen!). Schwache Gemüter führen ein Baldrianfläschchen, starke einen BB-bat (unauffällig, ohne Blut und Zähne dran) mit.
Endlich kommt der Tag and dem er wieder brummen soll:
- Am Tag zuvor den Abnahmetermin bestätigen lassen
- Zum Termin Zeit mitbringen
- Arbeiten erklären, zeigen lassen
- Abnahmefahrt mit Meister durchführen
- Damit rechnen, dass nachgebessert werden muss
- Mehr Geld und Zeit einplanen (den BB-bat zeigen)
- Immer dran denken – nobody is perfect!
- Und, shit happens!
- Rechnung erklären lassen und auf "Luftnummern"
- abklopfen, was nicht beauftragt war, gnadenlos nicht zahlen!
- Gute Arbeit verdient Lob und was in die Kaffeekasse…
Kerze löschen!
Wenn das alles gemacht wird, bestehen ausgezeichnete Aussichten auf beiden Seiten entspannte und zufriedene Gesichter zu sehen. Im Grunde nicht schwer, Kinderkram. Und weil es doch nicht gemacht wird, gibt es Krach, regelmäßig, und dann? Dann kommt die Hohe Schule, denn noch ist nix verloren. Wie geht man vor?
Ruhig, besonnen, nicht drohend, findet man heraus was los ist. Dumm gelaufen, oder können/wollen die nicht? Eine differenzierte Strategie hilft zumindest bei der Schadensbegrenzung:
- Habe ich wirklich einen eindeutigen Auftrag erteilt?
- Liegt ein Mangel vor, der ursächlich damit zusammenhängt?
- Kann ich das beweisen?
- Kann ich den Mangel eindeutig beschreiben?
- Weiß ich was eine Mängelrüge ist?
Mit klaren Antworten auf alle diese Fragen, sucht man das einvernehmliche Gespräch mit einem Verantwortlichen des Auftragnehmers, und macht sicher keinen Fehler, wenn man zu erkennen gibt, dass man ihm natürlich eine Chance gibt (nur auf dem Friedhof passieren keine Fehler…), aber auch durchblicken lässt, dass man weis, was im Kriegsfall zu tun ist. Dazu gehört als erstes mal der Kontakt zu Schiedsstellen des Handwerks, da lässt sich auch bei Hartleibigkeit eine Menge mit erreichen
Ratschläge für den casus belli sind Sache von Juristen, ich kann hier nur sagen, was man nicht macht:
- Details eines persönlichen Rachefeldzuges veröffentlichen
- Drohen Frau und Kind des Schraubers in den Orient zu verkaufen (er könnte das begrüßen)
- Nicht abschließend geklärte Sachverhalte anprangern
- Schwarze Listen führen
- Sich auf mich berufen
Die Lebenserfahrung lehrt, was man tunlichst unterlässt:
- Sich auf "seinen" Anwalt verlassen, der natürlich jeden Prozess gewinnt
- Sich auf "seinen" Gutachter verlassen
- Sich auf "gelernte Zeugen" verlassen
- Damit rechnen, dass außer Anwälten und Gutachtern irgendwer was gewinnt
- Damit rechnen, dass "Recht" unter der Gerichtslinde eine Rolle spielt
- Behaupten, man hätte "das alles" nicht gewusst…;-)
Sicher könnte man die Listen noch verlängern…