An diesem Tag wurde der erste 300 SL (Baumuster W 194), der Urvater der SL-Familie, einem ausgewählten Kreis von Journalisten vorgestellt. Besonders der Einstieg in diesen 300 SL war eine Aufsehen erregende Detaillösung. Das neue Fahrzeug hatte eine nur geringe Gesamthöhe - aber ein unkonventionelles Chassiskonzept mit hohem, stabilem Gitterrohrrahmen. Eine konventionelle Türanordnung war beim ersten Typ ausgeschlossen. Die erste Lösung waren deshalb "Fensterklappen" als Einstieg. Da diese Anordnung prinzipiell nicht gegen das damalige Renn-Reglement verstieß, entstanden daraus die etwas größeren, charakteristischen Flügeltüren. Das auffälligste Merkmal im Motorraum war der um 50 Grad nach links geneigte Einbau des Sechszylinders, um die Motorhaube flacher halten zu können. 1954 ging der "Gullwing", wie die Angelsachsen den SL nennen, in Serie. Auf der Kundenliste standen unter anderem Prinz Ali Khan, Tony Curtis, Herbert von Karajan und König Hussein. Drei Jahre später wurde der Öffentlichkeit auf dem Genfer Salon der SL-Roadster präsentiert, der den Flügeltürer ablöste. Eine stilistische Neuheit war die Leuchteinheit, die erstmals Scheinwerfer, Nebellampe und Blinker unter einem Glas zusammenfasste. Damals ein besonderer Gag, heute selbstverständlich, war das unter einer Blechklappe versenkbare Verdeck. Zusätzlich gab es ein Hardtop. Für den Roadster entschieden sich zum Beispiel Elvis Presley, Clark Gable und Romy Schneider. Am 8. Februar lief die Produktion des 300 SL aus, 1400 Coupes und 1858 Roadster waren gebaut worden.
Die Nachfahren
Der sanftmütige 190 SL war einer der Nachfahren des 300 SL, optisch unübersehbar verwandt. Er hatte keinen Gitterrohrrahmen, sondern ein Blechpresschassis nach Limousinenart, einen Vierzylindermotor und Einzelradaufhängung vorne und hinten. Der 190 SL wurde zu einer beliebten Filmrequisite jener Jahre - Filmstars wie Grace Kelly und Gina Lollobrigida schmückten sich mit dem 190 SL. Von diesem Typ liefen 25.881 vom Band.
Die " Pagode" wie die 230 SL, 250 SL und 280 SL wegen ihrer Dachform genannt werden, wurde 1963 vorgestellt. Zum ersten Mal waren bei einem Sportwagen alle umsetzbaren Erkenntnisse der Sicherheitsforschung jener Tage verwirklicht worden - von Knautschzone über Lenkrad mit Prallplatten bis hin zur Polsterung der Knöpfe am Armaturenbrett. Außerdem gab es bei der "Pagodenbaureihe" von Anfang an die Möglichkeit, Servolenkung zu bestellen und zwischen Viergang-, Fünfgang- oder auch Automatikgetriebe auszuwählen. Bis 1971 wurden 48 912 "Pagoden" gebaut.
Als nächstes Fahrzeug in der SL-Galerie folgt 1971 der R 107, den es im Laufe der Jahre vom 280 SL bis hin zum 560 SL in zahlreichen Motorisierungen gab. Der Kofferraumdeckel dieses SL war leicht nach innen gewölbt, um eine Harmonie zwischen der noch angedeuteten pagodenartigen Hardtop-Linie und Kofferraumdeckel-Linie zu erreichen. Wie fortschrittlich das Grundkonzept dieser SL-Reihe angelegt war, lässt sich daran erkennen, dass der technische Standard über einen Produktionszeitraum von 18 Jahren den Platz im Marktsegment anspruchsvoller Sportwagen sicherte und sogar bis zum Produktionsende die Abgasvorschriften erfüllte. Mit 300.175 Einheiten* war diese Roadster-Baureihe die bislang erfolgreichste von Mercedes-Benz.
Seit 1989 repräsentiert der R 129 die SL-Reihe. Durch sein ausgefeiltes technisches Konzept mit Nockenwellenverstellung und Vierventiltechnik setzte der heutige SL neue Maßstäbe. Seine Integralsitze, der automatisch nachklappende Überrollbügel, das vollautomatische Roadster-Verdeck oder das Windschott sind Weltneuheiten im Automobilbau. Mit der bevorstehenden Markteinführung der 12-Zylinder-Variante belegt der SL auch heute wieder einen Spitzenplatz unter den Roadstern der internationalen Oberklasse.
Mercedes-Benz Pressetext
* Originaltext von MB, in dieser Zahl sind auch die SLC enthalten!